Voces Suaves und Michele Vannelli nähern sich Carissimis „Historia di Jephte“ mit großer Sorgfalt und spürbarer Freude: Nichts ist überzeichnet, die Erzählführung trägt sich selbst, und aus dieser Präzision entsteht die Wirkung. Das Werk, in den 1640er Jahren entstanden, ist nie aus dem Repertoire verschwunden und wurde bis hin zu Händel bewundert, der den Schlusschor in seinem „Samson“ übernahm.
„Arcadian Dreams“ vereint Les Délices und die Sopranistin Hannah De Priest in einem von Arkadien inspirierten Programm. Zwischen Rameau, Händel und seltener zu hörenden Werken verbindet das Album Raffinesse, Ausdruckskraft und musikalische Wiederentdeckungen.
An den Ursprüngen des italienischen Barock vereint Nuove Musiche Furio Zanasi und Xavier Díaz-Latorre mit Werken von Caccini und Kapsperger. Zwischen eindringlichen Monodien und Toccaten für Chitarrone erkundet dieses Programm in sechs „Canti“ die Entstehung des stile moderno. Eine Passacaille-Einspielung von großer expressiver Klarheit.
Die Bittrufe des auserwählten Volkes, das ebenso unerbittliche wie begeisternde Wüten der ägyptischen Plagen und der strahlende Triumph Gottes über das Heidentum stehen im Mittelpunkt der neuen Einspielung von Israel in Egypt, erschienen bei Alpha Classics.
Von der Statue zum lebendigen Körper: Camille Delaforge vereint zwei französische Partituren des 18. Jahrhunderts rund um den Mythos Pygmalion – Rameaus Ballettakt und eine bislang unveröffentlichte Cantatille von Antoine Bailleux, einem heute vergessenen Zeitgenossen. Mit Mathias Vidal als Solisten macht diese Aufnahme den schöpferischen Akt selbst hörbar.
„Juvenilia“ präsentiert die frühen Werke Bachs und seiner Zeitgenossen und offenbart dabei eine sprudelnde Kreativität und Erfindungsgabe. Gabriel Smallwood interpretiert sie mit Finesse und Klarheit. Ein Album, das dazu einlädt, die Jugend eines der größten Komponisten des 18. Jahrhunderts neu zu entdecken.
Concerto Soave stellt Vertonungen von Venite, exultemus von Campra und Bernier einander gegenüber und macht jene Verfahren sichtbar, die das französische Motet zu Beginn des 18. Jahrhunderts prägen: italienisierende Schreibweise, rhetorische Kontraste, Figuralismen und ein Spiel mit den Besetzungen, das die Eigenart jedes einzelnen Komponisten hervorhebt.
Die 2026 erschienenen „Sechs Sonaten für zwei Flöten“ offenbaren die ganze Einzigartigkeit der Sprache Wilhelm Friedemann Bachs: eine kühne Komposition, die auf einem ständigen Dialog der Stimmen basiert, in dem Virtuosität und Ausdruckskraft mit seltener Intensität aufeinander treffen.
Mit den 18 »Leipziger Chorälen« bündelt Bach am Lebensende eine ausgereifte Reflexion über die Orgel, den Choral und die Kunst des Kontrapunkts. An der Thomas-Orgel in Namur begreift Martin Gester diese Partituren als einen Raum der klanglichen Erfindung: Er spielt mit Stilen, Farben und Balance, um gelehrte Konstruktion und expressive Intensität in einen Dialog zu setzen.