Das neue Album des Ensembles Les Lunaisiens, das beim Label Seulétoile erschienen ist, „Jadis et Naguère“, bleibt dem Leitmotiv der von dem Bariton Arnaud Marzorati geleiteten Formation treu: die Geschichte des französischen Chansons seit seinen frühesten Anfängen zu erzählen. In diesem Werk bildet die Geschichte Frankreichs den roten Faden dieser Erkundung: Von den fernen Zeiten des Frankenreichs bis hin zum großen Versailles zeichnen sich kontrastreiche Erzählungen ab, in denen Satire und Parodie neben Poesie und Nostalgie stehen.
Weit davon entfernt, historische Authentizität anzustreben, versuchen Les Lunaisiens, den „Zeitgeist“ einzufangen – die Art und Weise, wie die Jahrhunderte, die Herrscher und die Ereignisse das volkstümliche Schaffen geprägt und das kollektive Bewusstsein geformt haben. So wird die lineare Chronologie zwischen den Stücken durch einen emotionaleren Bogen ersetzt, geleitet von der Ausdruckskraft und der Vielfalt dieses heterogenen musikalischen Erbes: Die Geschichte ist fortan nicht mehr die offizielle, die „der Oberschicht“, sondern auch jene, die in den Gerüchten und Überzeugungen der Straße Gestalt annimmt.
Diese Rekonstruktionsarbeit ist jedoch kein Zufallsprodukt, denn sie stützt sich auf einen umfangreichen Referenzkorpus, allen voran die Werke von France Vernillat und Pierre Barbier sowie deren 1982 erschienene „Histoire de France par les chansons“ (Eine Geschichte Frankreichs in Liedern), in der zahlreiche satirische und historische Lieder zusammengetragen wurden. Das Repertoire der „Société du Caveau“, einer 1729 gegründeten Gesangs- und Literaturbruderschaft, die im 19. Jahrhundert von den Chansonniers Béranger und Désaugiers veröffentlichten Sammlungen sowie die 1843 vom Verleger Henri Louis Delloye herausgegebenen Werke bilden weitere Inspirationsquellen für diese CD. Ausgehend von diesem reichhaltigen Fundus hat sich das Ensemble daran gemacht, die Form und die Arrangements dieser Lieder wiederherzustellen, von denen die Zeit manchmal nur die Melodien bewahrt hat – weniger mit dem Ziel einer strengen Historizität als vielmehr aus Treue zu ihrem ursprünglichen Geist: zu unterhalten und einen Vorwand für Vergnügen zu bieten.



Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare abgeben zu können.
Anmelden