Atsushi Sakai & Christophe Rousset

Bach: Sonaten für Viola da gamba

→Man meint, Bachs Sonaten für Viola da gamba und Cembalo zu kennen; Atsushi Sakai und Christophe Rousset rücken sie hier wieder in ihren Anteil an Dunkel und Geheimnis. Werke, die sich schwer einordnen lassen, ob als wirklicher Zyklus oder als Zusammenstellung eigenständiger Stücke, werden hier zu einem Raum des engen Dialogs zwischen Gambe und Cembalo, zwischen kontrapunktischer Strenge, innerem Gesang und Meditation.

Bach: Sonaten für Viola da gamba
© aparté

Mit Bach: Sonatas for Viola da Gamba, erschienen bei Aparté, widmen sich Atsushi Sakai und Christophe Rousset einem der rätselhaftesten Kammermusikkorpusse Johann Sebastian Bachs. Die Aufnahme vereint die drei Sonaten für Viola da gamba und Cembalo BWV 1027, 1028 und 1029, ergänzt durch die Sonate für Violine und Continuo e-Moll BWV 1023, die Atsushi Sakai für Viola da gamba und Cembalo transkribiert hat. Aparté erinnert daran, wie sehr sich diese Werke eindeutigen Zuschreibungen entziehen: Man weiß nicht, ob sie der Jugend oder der Reifezeit des Komponisten angehören, ob sie einen bewusst konzipierten Zyklus bilden oder eine Zusammenstellung unabhängiger Kompositionen sind.

Der Reiz dieser Einspielung liegt gerade darin, dass sie das Geheimnis annimmt, statt es künstlich aufzulösen. Atsushi Sakai an der Viola da gamba und Christophe Rousset am Cembalo, seit Langem musikalische Partner, lassen eine Musik hören, in der die Gambe nie nur melodisches Instrument ist: Sie wird zur Stimme, zur Klagelinie, zur kontrapunktischen Partnerin und zu einer fast spirituellen Präsenz. Die Transkription von BWV 1023 führt diese Lesart weiter, indem sie eine ursprünglich für die Violine gedachte Schreibweise auf die Gambe überträgt, ohne auf äußere Virtuositätseffekte zu zielen.

Das Gelingen der Aufnahme verdankt sich auch dem Gleichgewicht zwischen den beiden Musikern. Christophe Rousset begleitet nicht: Er tritt in Dialog, gibt Impulse, erhellt die Gelenkstellen des musikalischen Diskurses. Sakai seinerseits verleiht der Gambe eine geschmeidige, konzentrierte, nie demonstrative Stimme. In diesen Sonaten, in denen Bach das Erbe der Kammermusik, die Anforderungen des Kontrapunkts und eine Form intimer Schwere miteinander verbindet, setzt das Duo auf klare Linien und expressive Dichte. Ein Bach, weniger monumental als schwebend, in dem jeder Satz seinen Gleichgewichtspunkt zwischen Denken und Gesang zu suchen scheint.