Bei Aparté erschienen, versammelt Furioso Ausschnitte aus Opern von Vivaldi, Händel, Steffani, Fux und Porpora rund um den Mythos des Orlando furioso. Das Programm versucht nicht, das Epos in seiner ganzen Breite nachzuerzählen, sondern folgt seinen Bruchstellen: ritterlichem Heldentum, verletzter Liebe, dem Verlust der Vernunft, Gewaltausbrüchen und Momenten der Klage. Rezitative, Arien und Instrumentalstücke antworten einander wie Fragmente eines einzigen psychologischen Porträts.
Die Wahl des Countertenors Xavier Sabata verleiht diesem Parcours eine besondere Farbe. Der katalanische Künstler, der zunächst eine Schauspielausbildung absolvierte, bevor er Gesang studierte, bringt in diese Szenen von Wahnsinn und Verlassenheit ein ausgeprägtes Gespür für das dramatische Wort ein. An seiner Seite vermeidet Le Concert de l’Hostel Dieu unter der Leitung von Franck-Emmanuel Comte den Eindruck einer bloßen Anthologie: Die Ausschnitte aus Porporas L’Angelica, Händels Orlando, Vivaldis Orlando furioso, Steffanis Orlando generoso und Fux’ Angelica vincitrice di Alcina bilden einen wirklichen Bogen zwischen Raserei, Taumel und Verzweiflung. Zwei Stücke von Fux erscheinen zudem erstmals auf CD.
Die Stärke von Furioso liegt gerade darin, Ariosts gewaltigen Stoff auf eine Figur in der Krise zu verdichten. Die Aufnahme stellt die Virtuosität des barocken Gesangs heraus, ohne sie von dem zu lösen, was sie antreibt: der Instabilität eines Helden, den die Liebe aus sich selbst herauskippen lässt. Eine dichte, theatrale und eindringliche Reise durch einen der großen Mythen des Liebeswahns.


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