Ein Duo für Violine und Continuo ist zunächst nichts Ungewöhnliches — es sei denn, ein und dieselbe Musikerin übernimmt beide Partien gleichzeitig. Mit der Violine unter dem Kinn und den Füßen auf den Orgelpedalen hat Emmanuelle Dauvin mit OVNI Baroque eine ganz eigene Klangwelt geschaffen. Ab dem 14. August ist sie erneut mit La Chapelle Rhénane beim Festival Bach en Tarentaise zu erleben, bevor sie am 30. August in Rennes und am 2. September beim Festival Oude Muziek Utrecht auftritt.
Zehn Stunden Musik an zwei Abenden, ein eigens für diesen Anlass errichtetes Theater und mehr als vierzig Rollen: Antonio Cestis „Il pomo d’oro“ glich einem geradezu wahnwitzigen szenischen Wagnis! 1668 am Wiener Kaiserhof uraufgeführt und seither nie wieder gespielt, erlebt dieses Meisterwerk zu Ehren der Habsburger diesen Sommer in Innsbruck seine Wiederauferstehung: Die Accademia Bizantina bringt das Werk unter der musikalischen Leitung von Ottavio Dantone anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zurück auf die Bühne. Die Oper wird am 7+8., 11.+12., 15.+16. August am Tiroler Landestheater aufgeführt.
Als Gründer von Musica Gloria – einem Barockensemble, das aus seinen ersten Ausbildungsjahren hervorging – pflegt der belgische Flötist und Cembalist Beniamino Paganini, 31, seit der Entdeckung von Monteverdi in Brügge im Alter von sieben Jahren eine intime und hingebungsvolle Haltung gegenüber der Musik.
Sie sind zu viert, treffen alle Entscheidungen gemeinsam und verstehen sich als ebenso freies wie anspruchsvolles Kollektiv. Das in London gegründete und in der französischen Musik verwurzelte Ensemble Théodora baut seinen sorgfältig ausgefeilten Klang auf Freundschaft, intensive Quellenstudien, den Faktor Zeit sowie eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Lucie Chabard und Mariamielle Lamagat erzählen von den Anfängen und Wurzeln dieses außergewöhnlichen Quartetts.
Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des L’Orfeo Barockorchesters blicken die Gründerinnen Michi Gaigg und Carin van Heerden auf drei Jahrzehnte intensiver Entwicklung, künstlerischer Eigenständigkeit und passionierter Arbeit an Klang und Interpretation zurück. Das nach wie vor äußerst dynamische Ensemble gastiert vom 1. bis 9. August auf Schloss Greinburg (Österreich) mit „Sophia“, einer fiktiven Oper von Bach, in der Kantaten und Chöre mit künstlicher Intelligenz, Freiheit und unserer Vorstellung von Menschlichkeit in Dialog treten.
Als Liebhaber der französischen Sprache und der Stimmen, die sich zwischen den klassischen Stimmfächern bewegen, findet Olivier Bergeron bei Charpentier ein ideales Betätigungsfeld. Mit 29 Jahren macht der Bariton aus Québec den Komponisten zu einem roten Faden seines Jahres 2026. Als in Montréal und Paris ausgebildeter Preisträger des „Jardin des Voix“ geht er in diesem Sommer erneut mit Les Arts Florissants und William Christie auf Nordamerika-Tournee, bevor er in Montréal als Papageno debütiert.
In New York macht GEMS („Juwelen“) seinem Namen alle Ehre: Seit 2007 hilft diese unauffällige, aber unverzichtbare Einrichtung jungen Ensembles für Alte Musik dabei zu wachsen, Finanzmittel zu beschaffen, Konzerte zu organisieren und ein Publikum zu gewinnen. John Thiessen leitete GEMS von 2022 bis vor Kurzem als Executive Director. Während die Organisation unter neuer Führung ein neues Kapitel aufschlägt, blickt der aus Kanada stammende Musiker darauf zurück, wie GEMS zu einer der treibenden Kräfte der amerikanischen Alte-Musik-Szene geworden ist.
Was wäre, wenn die wahre Revolution darin läge, wieder gemeinsam mit Menschen Musik zu machen? In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz gefälschte geistliche Gesänge hervorbringt und Kultur zum bloßen Konsumgut reduziert wird, schlägt Marcel Pérès einen anderen Weg ein: menschliche Stimmen, von Hand zu Hand weitergegebene Gesten, unvorhersehbare musikalische Abende und der altrömische Gesang, der zu seiner rituellen Kraft zurückfindet. In Moissac wird die Alte Musik wieder zum Erlebnis.
Wer in der Welt der Alten Musik kennt nicht die Spuren, die Marcel Pérès und sein Ensemble Organum hinterlassen haben? Als Klangarchäologe, Pionier einer auf alte Repertoires angewandten Ethnomusikologie und Denker geistlicher Musik hat sich der französische Musikwissenschaftler, Sänger und Dirigent als eine der bedeutendsten europäischen Persönlichkeiten der Wiederbelebung mittelalterlicher Musik etabliert. Kurz vor seinem 70. Geburtstag erzählt er sein Leben wie einen Roman.
Die lautten compagney BERLIN, die in den 1980er Jahren in der ehemaligen DDR gegründet wurde, feierte kürzlich ihr 40-jähriges Jubiläum. Heute verwirklicht sie zahlreiche originelle Projekte – in diesem Jahr unter anderem mit dem Countertenor Reginald Mobley sowie einem neuen Rundtischgespräch über die „Songbooks“ von John Dowland. Nicht zu vergessen ist Ende August das KALIT-Festival, das Musik und Literatur miteinander verbindet. Wolfgang Katschner, 65 Jahre alt und Gründer des Ensembles, erzählt uns dessen Geschichte … die zugleich ein Stück weit die Geschichte seines eigenen Lebens ist.