Es war ein lauer Juninachmittag in einem Innenhof in Potsdam. Nach einer Stunde Kammermusik im Foyer des Nikolaisaals sprachen vier Mitglieder des jungen polnischen Barque Ensembles – Justyna Wójcikowska, Anna Cierpisz-Szpot, Kacper Szpot und Radosław Orawski – über die Entstehung ihres Ensembles, den spektakulären Aufschwung der Alten Musik in Polen, ihre Vorliebe für die „vergessenen Meister“, aber auch über ihre Repertoireforschung, ihre interdisziplinären Projekte und jene musikalische Verbundenheit, die sie noch viele Jahre lang pflegen wollen.
Was war ausschlaggebend für eure Entscheidung, sich 2019 zu einem Ensemble zusammenzuschließen?
Barque Ensemble: Wir haben uns an der Musikakademie in Łódź kennengelernt, wo wir unter der Leitung der renommierten Cembalistin Ewa Mrowca gemeinsam Kammermusik gespielt haben. Später kam Kacper [Szpot] zu uns hinzu. Anfangs haben wir einfach nur zum Spaß gemeinsam Musik gemacht. Während der Pandemie haben wir einige Aufnahmen gemacht und uns gegenseitig bei unseren Masterabschlusskonzerten unterstützt. Dann kam die Idee auf, auch wirklich öffentlich aufzutreten. Was uns verbindet, ist vor allem die Freude daran, Zeit miteinander zu verbringen und Musik zu machen. Mit dem Barque Ensemble können wir unsere eigene Vision der Interpretation entwickeln. Wenn wir in anderen Ensembles spielen, fügen wir uns zwangsläufig in die künstlerische Konzeption ihrer Leiter ein. Hier gestalten wir diese Vision gemeinsam. Und letztendlich ist das gemeinsame Musizieren vielleicht die beste Art, voneinander zu profitieren!

Ist es in Polen noch ungewöhnlich, sich auf Alte Musik zu spezialisieren? Im Vergleich zu England, Frankreich oder den Niederlanden scheint es länger gedauert zu haben, bis sich dieses Genre im Musikleben des Landes etabliert hat.
B. E.: Die Alte-Musik-Szene entwickelt sich heute in Polen sehr schnell. Auch wir sind im Rahmen des Erasmus-Programms zum Studium ins Ausland gegangen und bringen die dort gesammelten Erfahrungen mit zurück. Aber die Alte Musik ist mittlerweile in unserem Land sehr gut etabliert. Wir arbeiten insbesondere in drei festen Orchestern, die auf dieses Repertoire spezialisiert sind. Wenn wir mit ausländischen Kollegen darüber sprechen, sind manche überrascht zu erfahren, dass es in Polen möglich ist, seinen Lebensunterhalt ausschließlich mit dem Spielen von Alter Musik zu bestreiten.
Das Barque Ensemble interessiert sich besonders für interdisziplinäre Projekte. Welche Arten von Projekten habt ihr bereits realisiert? Spielen auch pädagogische Konzerte eine wichtige Rolle in eurer Tätigkeit?
B. E.: Wir haben in Łódź mehrere Konzerte gegeben, bei denen wir polnische Lyrik und Musik miteinander verbanden. Beim Podkarpacie-Festival im Südosten Polens haben wir ein Konzert gegeben, das dem Maler Słońcesław z Żołyni gewidmet war. Außerdem haben wir eine Konzertreihe zur englischen Musik konzipiert, die mit historischen Anekdoten angereichert war. Kacper trug dabei unter anderem Auszüge aus dem Tagebuch von Samuel Pepys vor, die mit Texten über das Leben in Polen zur gleichen Zeit, in den 1660er Jahren, verglichen wurden. Wir lieben diese Form des „Gesprächskonzerts“, die es uns ermöglicht, unsere Instrumente vorzustellen, über die Musik zu erzählen und sie in ihren Kontext einzuordnen. Wir bieten diese Art von Programm insbesondere in kleinen Städten an, wo diese Vermittlungsarbeit ihre volle Bedeutung entfaltet.
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