Menton, Toronto, Montpellier, Beaune, Martina Franca, Lessay, York, Colmar

→In dieser ersten Woche nach der Sommerpause tragen unsere Bilder der Woche noch einen Hauch von Sommer: ein Rückblick auf einige Höhepunkte der Alten und Barockmusik im Juli.

Menton, Toronto, Montpellier, Beaune, Martina Franca, Lessay, York, Colmar
© Patrick Varotto / Ville de Menton

Menton: ein Festival mit Jonathan Dunford und Jupiter, Emiliano Gonzalez Toro und I Gemelli

Toro und I Gemelli

Trotz eines stürmischen Eröffnungsabends entfaltete das Musikfestival von Menton zwei Wochen lang sein klassisches und barockes Programm vor einigen der schönsten Kulissen der Stadt – vom Vorplatz der Basilika Saint-Michel über den Palais de l’Europe bis zur Esplanade des Sablettes. Ein Abend war Vivaldi gewidmet, in beinahe venezianischer Atmosphäre mit Blick über die Bucht nach Italien, mit dem Ensemble Jupiter, Nicolas Altstaedt und Thomas Dunford. Mehr als ein Konzert entstand dabei ein regelrechter musikalischer Wettstreit: Tenor Emiliano Gonzalez Toro und Countertenor Maximiliano Danta antworteten einander und lieferten sich in einigen der schönsten Opernarien Vivaldis ein musikalisches Duell, begleitet vom Ensemble I Gemelli.

© Lucky Tang

Toronto: Les Arts Florissants eröffnen das Summer Music Festival

Unter der Leitung von William Christie eröffneten Les Arts Florissants im Koerner Hall in Toronto das Summer Music Festival mit einem Charpentier-Programm, darunter eine szenische Einrichtung von La Descente d’Orphée aux Enfers mit vier Tänzern. Das von William Christie geleitete Ensemble spielte außerdem jenes Werk, dem es seinen Namen verdankt: Les Arts florissants.

© Mélissa

Montpellier: Dido and Aeneas beim Festival de Radio France

Dido and Aeneas, die neue Produktion des Ensembles Les Surprises unter der Leitung von Louis-Noël Bestion de Camboulas, sorgte in der ersten Woche des Festival de Radio France et Montpellier Occitanie für ein ausverkauftes Opéra de Montpellier. Eine echte Bühnenproduktion, die Musik, Theater und Tanz verbindet und starke Themen wie Leidenschaft, Schicksal und Liebe aufgreift. In dieser Saison reist sie weiter nach Málaga in Spanien und an die Opéra National de Bordeaux.

© Festival de Beaune

Beaune – Händel mit Le Banquet Céleste

In den Hospices de Beaune setzte das Ensemble Le Banquet Céleste im Rahmen des 44. Internationalen Festivals für Barockoper mit Il Trionfo del Tempo e del Disinganno seine Erkundung von Händels frühen Werken fort, die 2025 in Beaune mit La Resurrezione begonnen hatte. 1707 ist Händel in Rom erst 22 Jahre alt, doch Il Trionfo zeigt bereits einen vollkommen gereiften Komponisten. Simon Proust, Gewinner der Victoires de la musique classique 2025 in der Kategorie „Révélation chef d’orchestre“, war für diesen Anlass als Gastdirigent eingeladen.

© Cinzia Coppolecchia

Martina Franca (Italien): eine neuzeitliche Erstaufführung beim Festival della Valle d’Itria

Das 52. Festival della Valle d’Itria in Martina Franca, im Herzen Apuliens, präsentierte Ende Juli erstmals in der Neuzeit die Oper Il schiavo di sua moglie (Der Sklave seiner Frau) des neapolitanischen Komponisten Francesco Provenzale (1632–1704) nach einem Libretto von Francesco Antonio Paolella. Die Oper wurde anlässlich der Ankunft des neuen Vizekönigs von Neapel, des Marquis von Astorga, komponiert und 1672 ihm zu Ehren im Königspalast aufgeführt. Frei vom neunten Werk des Herkules inspiriert, erzählt sie von griechischen Helden, die am Ufer des Thermodon im Reich der Amazonen landen und von diesen begehrt werden. Eine lange Folge von Verwechslungen und Verkleidungen mündet schließlich in das für die Oper übliche Happy End und zeugt vom Talent Francesco Provenzales, eines der bedeutendsten Vertreter der neapolitanischen Schule des 17. Jahrhunderts. Die Aufführung im Kreuzgang des Carmine in Martina Franca wurde Antonio Florio anvertraut, der wesentlich zur Wiederentdeckung des Musiktheaters von Provenzale und zahlreicher weiterer bedeutender neapolitanischer Komponisten beigetragen hat. Er leitete sein Ensemble Cappella Neapolitana sowie ein Vokalensemble mit Francesca Palitti, Lilliana Zolotoukhina, Francesca Lo Verso, Chiara Scannapieco, Angelo Testori, Michele Galbiati, Valerio Ilardo, Mauro Pedrero und Candida Guida. Für künstlerische Leitung, Inszenierung und Bühnenbild zeichnete Rita Cosentino verantwortlich.

© Heures Musicales de Lessay

Abtei Lessay (Frankreich): Carte blanche für Lucile Boulanger

Bei den Heures Musicales de l’Abbaye de Lessay in der Normandie, wo bei der 33. Ausgabe 2026 die Viola da gamba im Mittelpunkt stand, erhielt Lucile Boulanger eine Carte blanche. In einem Solorezital spielte sie Werke von Marin Marais, Monsieur de Sainte-Colombe, J. S. Bach, Tobias Hume, Heinrich Biber und Carl Friedrich Abel.

© NCEM

York (Vereinigtes Königreich): die 50. Ausgabe des Early Music Festival

Das National Centre for Early Music in York feierte im Juli die 50. Ausgabe seines Festivals. Das 1977 gegründete Festival hat sich als führendes Festival für Alte Musik im Vereinigten Königreich etabliert und gab seinerseits den Anstoß zur Restaurierung der St Margaret’s Church in York im Jahr 2000 und zur Gründung des National Centre for Early Music (NCEM). Unter dem Motto „Beyond Borders“ wurde die Jubiläumsausgabe mit Monteverdis Marienvesper von 1610, interpretiert von I Fagiolini, eröffnet und endete mit einer denkwürdigen Aufführung der Markus-Passion von Bruhns durch Solomon’s Knot. Außerdem standen The Sixteen, B’Rock Orchestra & Vocal Consort und Imago Mundi auf dem Programm. Der „Dowland Day“ erinnerte an den 400. Todestag eines der berühmtesten englischen Komponisten.

© Bertrand Schmitt

Colmar: Lucie Horsch und B’Rock Orchestra

Beim Internationalen Musikfestival von Colmar machte das klassische Repertoire für einen Abend der barocken Blockflöte in all ihren Facetten und ihrem ganzen Glanz Platz. Die Blockflötistin Lucie Horsch – eine der profiliertesten Botschafterinnen ihres Instruments weltweit – und das B’Rock Orchestra, vom Konzertmeisterpult aus geleitet von Cecilia Bernardini, vereinten Händels Pracht, Vivaldis Virtuosität, Telemanns Eleganz und Corellis Vitalität in einem Programm, in dem orchestraler Glanz, Virtuosität und die Poesie der Flöte einander wirkungsvoll ergänzten.