15 Jahre Ensemble Les Surprises

„Dido und Aeneas“ neu interpretiert: Zwischen Ensemble-Oper und englischem Maskenspiel

→Das Ensemble Les Surprises und sein Gründer sowie musikalischer Leiter, Louis-Noël Bestion de Camboulas, feiern 2026 ihr 15-jähriges Bestehen. Seit Februar präsentieren sie aus diesem Anlass insbesondere eine Neuinszenierung von Purcells „Dido und Aeneas“. Dieses emblematische Werk des Barockrepertoires wird vom Ensemble in einer originellen szenischen Form neu gedeutet: mit einer rein weiblichen Besetzung, direkt in die Handlung integrierten Musikern, gesprochenen Texten und einer choreografischen Dimension.

„Dido und Aeneas“ neu interpretiert: Zwischen Ensemble-Oper und englischem Maskenspiel
"Wir möchten die Arbeit an Bühnenformen wie „Dido und Aeneas“ fortsetzen, die eher einem Musical als einer Oper im traditionellen Sinne ähneln. So können wir diese Musik an Orte bringen, an denen sonst nur selten Opern aufgeführt werden." © Yann Cabello

Seit rund fünfzehn Jahren pflegen Louis-Noël Bestion de Camboulas und sein Ensemble Les Surprises mit ihren Aufführungen und Einspielungen eine Kunst der Entdeckung und origineller Formate. Ihre jüngste Produktion, Purcells „Dido und Aeneas“, die seit Februar etwa zehn Mal in ganz Frankreich aufgeführt wurde, zeugt von der einzigartigen Ästhetik, die das Ensemble seit seiner Gründung entwickelt hat. An der Schnittstelle zwischen Oper, englischem Maskenspiel und Musiktheater verbindet die Aufführung musikwissenschaftliche Forschung mit Ensemblegeist und dramaturgischer Kreativität. Der musikalische Leiter des Ensembles blickt auf die Entstehung des Projekts zurück, erläutert seine Programmkonzeption und spricht über die wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen Barockensembles heute konfrontiert sind. Ein Gespräch, das zudem Aufschluss über die Zukunftspläne von Les Surprises gibt – eines Ensembles, das fest entschlossen ist, die Erforschung von Repertoires und szenischen Formen trotz allem fortzusetzen.

Dido und Aeneas“ ist eine der berühmtesten Barockopern. Warum kehren Sie zu diesem „großen Klassiker“ zurück, wo Ihr Ensemble bisher doch vor allem für die Entdeckung seltenerer Repertoires bekannt war?

Louis-Noël Bestion de Camboulas: Es stimmt, dass wir oft den Weg der Entdeckung dem der großen Hits vorgezogen haben… Aber dieses Projekt steht eigentlich in der Kontinuität einer Aufführung, die wir vor einigen Spielzeiten geschaffen haben: Medea und Jason“, eine Parodie auf die französische Barockoper, in der wir verschiedene Musikstile des17.Jahrhunderts miteinander vermischt haben. Es war bereits eine sehr kollektive Aufführung, bei der Sänger, Tänzer und Instrumentalisten auf der Bühne standen. „Dido und Aeneas“ setzt diese Erkundung fort, allerdings mit einem viel bekannteren Werk. Das Projekt entstand aus einem Vorschlag des internationalen Gesangswettbewerbs von Clermont-Ferrand. Die neue Direktorin der Oper hatte „Médée et Jason“ sehr geschätzt und uns eingeladen, eine für den Wettbewerb geeignete szenische Form zu entwickeln, wobei gewisse personelle Einschränkungen zu beachten waren. In diesem Zusammenhang drängte sich Purcells Meisterwerk ganz natürlich auf: Es ist eine relativ kurze Oper, dramatisch außerordentlich wirkungsvoll und deren Musik absolut genial ist!

Ihre Inszenierung wirkt sehr kollektiv, fast schon wie Musiktheater.

L.-N.: Ja, das war einer der zentralen Gedanken. Wir wollten die kollektive Dimension noch stärker betonen als in unserer vorherigen Aufführung. Die Sängerinnen geben sich nicht damit zufrieden, nur zu singen; Sie wirken an den Choreografien mit und nehmen an der dramatischen Handlung teil. Auch die Instrumentalisten sind in die Szene eingebunden. Sie wirken bei bestimmten choreografischen Bewegungen mit, und es gibt sogar Momente, in denen das gesamte Team, einschließlich der Bühnenmeister, in das Geschehen eingreift… Insgesamt tragen etwa zwanzig Personen auf der Bühne tatsächlich zur Dramaturgie bei. Diese Dimension der Truppe lag uns sehr am Herzen: Es handelt sich nicht einfach um eine aufgeführte Oper, sondern um ein gemeinsam geschaffenes Werk.

Angel

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