El Gran Teatro del Mundo wird 10 Jahre alt! 

Julio Caballero und die unerschöpflichen Ressourcen des Grand Siècle

→An der Spitze von El Gran Teatro del Mundo entwickelt Julio Caballero seit zehn Jahren eine einzigartige Ästhetik. Sie konzentriert sich auf das französische Repertoire des 17. Jahrhunderts und entspringt einer originellen Rückbesinnung auf die Quellen, einer akribischen Arbeit an der Deklamation sowie einer ausgeprägten Lust am Theatralen. Von Bern bis Madrid, von den Lullisten bis zu Rameau: Es ist die Geschichte eines Ensembles, das jedes Projekt als eine fundierte, aber freie Relektüre der Codes des Grand Siècle und darüber hinaus begreift.

Julio Caballero und die unerschöpflichen Ressourcen des Grand Siècle
„Dieses Repertoire war anfangs schwierig, wir mussten enorm viel arbeiten: Eine Blockflöte, eine Violine und eine Oboe so miteinander zu verschmelzen, erfordert viel Disziplin und zahlreiche Proben. Heute hat man fast den Eindruck, eine Art Telepathie entwickelt zu haben!“ © May Zircus

El Gran Teatro del Mundo wurde in Bern vom Cembalisten Julio Caballero gemeinsam mit der Oboistin Miriam Jorde sowie dem Gambisten und Cellisten Bruno Hurtado gegründet und hat sich innerhalb eines Jahrzehnts zu einem der herausragendsten jungen Barockensembles Europas entwickelt. Als Preisträger des Cambridge Early Music Prize 2019 und für das Album La vida es sueño im Jahr 2023 mit einem „Choc“ de Classica ausgezeichnet, entfaltet das Ensemble auf Basis fundierter Quellenarbeit eine ebenso persönliche wie fesselnde Interpretation des französischen Grand Siècle, wobei es stets dessen europäische Verbreitung im Blick behält. Jedes Projekt führt diesen Ansatz fort und bleibt dabei in enger Rückbindung an die Partitur, den Text und die Deklamation. 

Zurück zu den Wurzeln 

Julio Caballero und die Mitbegründer Miriam Jorde (Oboe) sowie Bruno Hurtado (Cello, Bassvioline und Viola da gamba) lernten sich während ihres Studiums an der Hochschule der Künste Bern kennen, beseelt von dem Wunsch, eine eigene Perspektive auf ein Repertoire einzubringen, das ihrer Meinung nach außerhalb Frankreichs vernachlässigt wurde und ein unerschöpftes Potenzial barg. Wie Julio Caballero betont, geschah dies nicht aus dem Bestreben heraus, den französischen Barock neu zu erfinden, da er dies als anmaßend empfunden hätte, sondern vielmehr auf der Suche nach einer persönlichen Interpretation, die aus dem Studium der Primärquellen erwächst und jener menschlichen wie emotionalen Ebene folgt, welche die Musik selbst einfordert. Es sind diese Prinzipien, die ihre gemeinsame Arbeit bis heute leiten. 

Das Erwachen seines Interesses für den Barock führt er auf seine Mutter zurück, die ihm eine Aufnahme der Brandenburgischen Konzerte von Bach vorspielte. „Ich erinnere mich noch genau an die Einspielung, es war jene des Freiburger Barockorchesters!“, ruft er aus und lässt seine Begeisterung wieder aufleben. Er verspürt sofort eine tiefe Affinität zu diesem Repertoire, das ihn zum Cembalo und den besonderen Möglichkeiten des Zusammenspiels führt, welche die tragende Säule eines Barockorchesters bilden. Angesichts des anfänglichen Widerstands sowohl seines Klavierlehrers als auch seiner Familie beschließt er als Teenager, heimlich Cembalo-Unterricht zu nehmen, um sein Ziel zu verfolgen. Seine Entschlossenheit überzeugt jedoch schließlich seine Eltern, die seinen Umzug in die Schweiz voll und ganz unterstützen, um sich dort auf Alte Musik zu spezialisieren, zunächst in Bern und später an der Schola Cantorum in Basel. 

Angel

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