Erschienen bei Evidence Classics, ist Compositrices („Komponistinnen„) das erste Soloalbum der polnischen Flötistin Marta Gawlas, begleitet von Natalia Olczak am Cembalo. Das Programm versammelt fünf Sonaten: zwei Violinsonaten von Élisabeth Jacquet de La Guerre, von Marta Gawlas für Flöte und Cembalo transkribiert, zwei Flötensonaten von Anna Bon di Venezia sowie eine Flötensonate von Wilhelmine von Bayreuth. Die Auswahl ist schlüssig, ohne einförmig zu sein: auf der einen Seite die französische Welt von Jacquet de La Guerre, deren Sonaten am Hof Ludwigs XIV. durch ihre Originalität Aufsehen erregten; auf der anderen die deutsche Welt Bayreuths, in der Anna Bon und Wilhelmine von Bayreuth einen bedeutenden Teil ihres Schaffens der Flöte widmeten.
Der Reiz der Aufnahme liegt darin, dass Marta Gawlas dieses Programm nicht auf eine bloße patrimoniale Wiedergutmachung reduziert. Diese Werke sind nicht nur wichtig, weil sie von Frauen komponiert wurden: Sie sind es durch ihren Charakter, ihre Vorliebe für geschwungene Linien, ihre harmonischen Überraschungen und ihren Sinn für das instrumentale Gespräch. Die Transkriptionen der Sonaten von Jacquet de La Guerre übertragen eine ursprünglich für die Violine gedachte Schreibweise auf die Flöte, ohne deren Spannung oder Beweglichkeit zu verwischen. Bei Anna Bon und Wilhelmine von Bayreuth hingegen wird die Flöte zum natürlichen Ort eines geschmeidigen, mitunter kühnen Diskurses, in dem Eleganz Erfindungskraft nie ausschließt.
Das Gelingen der Einspielung beruht schließlich auf dem Gleichgewicht zwischen Marta Gawlas’ Flöte und Natalia Olczaks Cembalo. Erstere lässt einen klaren, beweglichen Klang hören, aufmerksam für die Wendungen des musikalischen Diskurses; Letztere stützt, ohne festzulegen, gibt Impulse, ohne zu drücken. Das Duo verleiht diesen Sonaten den Atem der Kammermusik, in der man ebenso sehr den Tanz wie den Gesang wahrnimmt, ebenso sehr die Konstruktion wie den Augenblick. Eine Aufnahme, die diese Komponistinnen nicht in eine Vitrine stellt, sondern sie in das lebendige Repertoire des Barock zurückholt. Zum Weiterreichen von Hand zu Hand.


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