Innsbruck, Drottningholm, São Paulo, Sastamala, Straßburg, Lamèque

→Acht Stunden Cesti in Innsbruck wieder zum Leben erweckt, Monteverdi in Drottningholm, Bach in São Paulo und Konzerte mit der Pferdekutsche im Jura: ein Rückblick in Bildern auf einige der barocken Höhepunkte des Augusts.

Innsbruck, Drottningholm, São Paulo, Sastamala, Straßburg, Lamèque
© Birgit Gufler / IFAM

Antonio Cestis Il pomo d’oro in Innsbruck: Ottavio Dantones Kraftakt

Die erste vollständige Aufführung seit dem 17. Jahrhundert von Antonio Cestis Il pomo d’oro bildete den Höhepunkt der 50. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Wie bei der Wiener Uraufführung 1668 wurde dieses fast achtstündige Monumentalwerk auf zwei Abende verteilt. Grundlage war eine aufwendige Rekonstruktionsarbeit Ottavio Dantones. Anhand der in Wien und Modena erhaltenen Manuskripte ergänzte der Dirigent die fehlenden Passagen des dritten und fünften Aktes mit Musik aus anderen Werken Cestis.

Die Geschichte vom Urteil des Paris bildet nur einen Handlungsstrang dieser gewaltigen Freske, die ursprünglich zur Feier der Hochzeit Leopolds I. mit Margarita Teresa von Spanien konzipiert worden war. Fast fünfzig Figuren – Götter wie Menschen – begegnen sich in einer Inszenierung, die mit dem Kontrast zwischen einer leuchtend farbigen übernatürlichen Welt und einer strengeren, von Grau, Weiß und Schwarz geprägten irdischen Sphäre spielt. Die Produktion war dreimal am Tiroler Landestheater zu erleben, am 7./8., 11./12. und 15./16. August 2026, in der Regie von Fabio Ceresa, mit Bühnenbildern von Nikolaus Webern und Kostümen von Giuseppe Palella.

Mit Sophie Rennert, Jone Martínez, Shira Patchornik, Jiayu Jin, Neima Fischer, Ester Ferraro, Mathilde Ortscheidt, Margherita Maria Sala, Filippo Mineccia, Rémy Brès-Feuillet, Paul Figuier, Danilo Pastore, Alberto Allegrezza, Žiga Čopi, Mauro Borgioni, Giacomo Nanni, Balázs Bán, José Coca Loza, Federico D. E. Sacchi, Rocco Cavalluzzi, der Accademia Bizantina und Ottavio Dantone.

© Markus Gårder

In Drottningholm (Schweden): Monteverdis L’incoronazione di Poppea mit Francesco Corti und Benjamin Lazar

Acht Aufführungen von Claudio Monteverdis L’incoronazione di Poppea prägten zwischen dem 1. und 15. August das Sommerfestival des Schlosstheaters Drottningholm in Schweden. Francesco Corti, Musikalischer Leiter des Hauses, dirigierte das Orchester, Benjamin Lazar führte Regie. Die Herausforderung bestand darin, das italienische Barocktheater des 17. Jahrhunderts mit der originalen und bis heute funktionstüchtigen Bühnenmaschinerie des 18. Jahrhunderts in Dialog zu bringen: mit bemalten Kulissen, Szenenwechseln, rhetorischer Gestik und historischer Bühnentechnik, zugleich aber mit genügend Freiheit, damit daraus keine systematische Vorführung historischer Praktiken wurde. Ein Ziel, das nach Ansicht mehrerer Kritiker erreicht wurde: Hervorgehoben wurde insbesondere, wie die Produktion historische Authentizität auf kluge Distanz hielt, ohne sich in bloßer Rekonstruktion zu verlieren.

Mit Giulia Semenzato, Arianna Vendittelli, Roberta Mameli, Paul-Antoine Bénos-Djian, Trevor Eliot Bowes, Lucile Richardot, Luca Cervoni, Giulia Bolcato, Josefine Mindus, Désirée Giove, Zachary Wilder, Marco Saccardin, l’orchestre du Théâtre royal de Drottningholm und Francesco Corti.

© Jean-François Regard

Im Jura (Frankreich): Wanderkonzerte im Rhythmus der Pferde mit Les Timbres

Im französischen Jura, zwischen den Tälern von Loue und Doubs, legte das Ensemble Les Timbres mit einer Pferdekutsche eine Strecke von insgesamt rund 50 Kilometern zurück. Unterwegs standen sechs Konzerte, fünf von einem Philosophen gestaltete Momente des Innehaltens und vier Begegnungen mit Gästen aus unterschiedlichen Bereichen auf dem Programm – als Einladung, unser Verhältnis zu Natur und Zeit in einer immer schnelllebigeren Welt zu hinterfragen. Ganz im barocken Sinne einer engen Verbindung von Musik und Natur standen zudem Tiere im Mittelpunkt von sechs Konzertporträts, mit Werken barocker Komponisten und einigen späteren Gästen.

Screenshot

Arcangelo und die h-Moll-Messe in São Paulo (Brasilien)

Das dürfte wohl die Parodie des Sommers sein! Offensichtlich von Christopher Nolans Film The Odyssey inspiriert, kündigte diese Grafik die „Odyssee“ von vier August-Konzerten des englischen Ensembles Arcangelo im kürzlich renovierten Teatro Cultura Artística in São Paulo an. Unter der Leitung seines Gründers Jonathan Cohen spielte Arcangelo Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe an vier Abenden, am 16., 17., 19. und 20. August. Die internationale Tournee des Ensembles endet am 10. September bei den Proms in London, nach Stationen beim Rheingau Festival in Deutschland und beim Gstaad Menuhin Festival.

© Sastamala Gregoriana

Cantoría beim Festival Sastamala Gregoriana (Finnland)

Beim finnischen Festival Sastamala Gregoriana, das sein 30-jähriges Bestehen feierte, präsentierte das spanische Vokalensemble Cantoría unter der Leitung von Jorge Losana El jubilate, ein Konzert mit Villancicos und Ensaladas der iberischen Renaissance. Der Abend setzte einen Festivaltag fort, der als kleine Reise in das alte Spanien angelegt war. Zuvor waren das finnische Vokalensemble Lumous und das Fioretto Ensemble bis auf die iberische Halbinsel des 15. Jahrhunderts und zu den Auseinandersetzungen zwischen christlichen Königreichen und muslimischer Herrschaft zurückgegangen. Cantoría führte das Festival anschließend mit seinen Villancicos und Ensaladas in ein wesentlich sinnlicheres, farbenreicheres und mitunter ausgesprochen humorvolles Spanien der Renaissance.

© TBM

Straßburg: 10 Jahre Festival Stras’Orgues

Zu seiner zehnten Ausgabe verwandelte Stras’Orgues Straßburg erneut in eine große Bühne für die Orgel und ließ das außergewöhnliche instrumentale Erbe der Stadt von der Kathedrale bis zu den Kirchen der einzelnen Viertel erklingen. Mehr als zwanzig Veranstaltungen verbanden Recitals, junge Talente, ein Filmkonzert, offene Orgelemporen und ungewöhnliche Touren von Orgel zu Orgel – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder sogar auf Rollschuhen. Besonders bemerkenswert war die Begegnung der belgischen Sopranistin Céline Scheen mit dem Organisten Fabien Moulaert an der Silbermann-Orgel der Thomaskirche: eine der natürlichsten Verbindungen geistlicher Musik, Stimme und Orgel. Das Programm spannte einen barocken Dialog zwischen Italien, Deutschland und Frankreich. Der Abend brachte den Geist von Stras’Orgues auf den Punkt: die Orgel aus dem reinen Solorecital herauszuführen, sie mit Stimme und Instrumenten zusammenzubringen und zugleich das bemerkenswerte Straßburger Musikerbe ins Zentrum zu rücken. Die zehnte Ausgabe wurde von Christophe Mantoux in der Kathedrale eröffnet und endete eine Woche später mit Thomas Ospital.

© Julie D’Amour-Léger

Arion Baroque beim 50. Jubiläum des Festivals von Lamèque (Kanada)

Das 1976 vom Cembalisten Mathieu Duguay gegründete Festival international de musique baroque de Lamèque, Kanadas ältestes Festival für Barockmusik, feierte in diesem Sommer sein 50-jähriges Bestehen – mit dem Arion Orchestre Baroque als rotem Faden. Das Ensemble aus Montreal präsentierte drei eigenständige Programme. Händels Acis and Galatea war die erste Oper überhaupt, die in Lamèque konzertant aufgeführt wurde. Das Kammermusikprogramm Les vents s’amusent ! vereinte Boismortier, Telemann und Vivaldi. Zum Abschluss des Jubiläumsfestivals erklangen schließlich Händels Water Music-Suiten und die Coronation Anthems mit dem Chœur de la Mission Saint-Charles unter der Leitung von Mathieu Lussier.