Mit der 1675er-Fassung von Lullys Carnaval-Mascarade royale präsentieren Federico Maria Sardelli und Samuele Lastrucci vom Florentiner Istituto Lulli am Teatro Comunale von Ferrara eine wahre, von Lully selbst zusammengestellte Playlist: Diese niemals zuvor in ihrer Gesamtheit gezeigte Mascarade macht in einer szenischen Version die glanzvollsten musikalischen Tableaus aus jenen berühmten Comédies-ballets erlebbar, die aus der Zusammenarbeit zwischen dem naturalisierten italienisch-französischen Komponisten und dem Dramatiker Molière hervorgingen. In Ferrara wird die Mascarade von einer glanzvollen Besetzung zum Leben erweckt: Valeria La Grotta, Giuseppina Bridelli, Philippe Talbot, Cyril Auvity, Biagio Pizzuti und Alexandre Baldo stehen auf der Bühne, begleitet vom Orchester Modo Antiquo und dem Chor I Musici del Gran Principe. Die visuelle Gestaltung liegt in den Händen von Emiliano Pellisari und seinem Ballett-Ensemble No Gravity. Sardelli und Lastrucci, die 2022 in Florenz das Istituto Giovanni Battista Lulli ins Leben riefen, nutzen Le Carnaval-Mascarade royale dabei als ihr „Trojanisches Pferd“: Mit diesem Werk versuchen sie, die Gunst der Institutionen und des Publikums für diese Ikone der französischen Barockmusik zu gewinnen, die in ihrem Geburtsland Italien noch immer viel zu wenig bekannt ist.
Wann reifte die Idee, dieses Werk von Lully aufzuführen, das bisher nie in seiner Gesamtheit zu hören war?
Samuele Lastrucci: Lullys Œuvre wurde inzwischen tiefgehend erforscht und weitgehend eingespielt – Christophe Rousset hat gerade erst Cadmus et Hermione veröffentlicht, das letzte Puzzlestück seiner Gesamteinspielung der Tragédies lyriques. Doch dieses spezifische Werk fehlte, und meiner Meinung nach verdient es Gehör, da es ein Geniestreich im typischen Lully-Stil ist. Man könnte fast von einer für die damalige Zeit beispiellosen „kommerziellen“ Zusammenstellung sprechen. Es gab zwar Teilaufführungen, aber die Fassung, die wir diesen Februar 2026 in Ferrara auf die Bühne bringen, ist die Gesamtfassung des Carnaval-Mascarade von 1675.
Sie betonen die Fassung von 1675, da Lully bereits einige Jahre zuvor eine Mascarade unter demselben Titel präsentiert hatte…
Federico Maria Sardelli: Ja genau. Le Carnaval-Mascarade royale wurde ursprünglich 1668 im Louvre in Paris uraufgeführt, mit einer gewaltigen Besetzung von 54 Musikern und Bühnenbildern von Vigarani – es war also etwas Großartiges, Prachtvolles. Doch die Version, die uns als musikalische Hauptquelle dient, ist die definitive Fassung von 1675 in zehn Entrées. Diese wurde für das breite Publikum der Pariser Oper umgearbeitet und bei Ballard, dem königlichen Musikdrucker des französischen Hofes, veröffentlicht.

Handelt es sich dabei um eine Anthologie oder eher eine Zusammenstellung von Musik aus den Comédies-ballets und anderen höfischen Divertissements? Wurden die Stücke unverändert übernommen oder neu bearbeitet?
Sardelli: Lully ist musikalisch wie dramaturgisch begabt, gewitzt und intelligent. Doch er begnügte sich nicht damit, schlicht zu kopieren und einzufügen, selbst wenn es sich um bereits bewährte Erfolgsstücke handelte. Er legte selbst noch einmal Hand an: Fragmente aus Le Bourgeois gentilhomme oder Monsieur de Pourceaugnac wurden den Bedürfnissen dieses neuen Spektakels angepasst, gestrafft und formal neu gestaltet.
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