Die Französin Isabelle Battioni ist seit Frühjahr 2025 Präsidentin des Europäischen Netzwerks für Alte Musik (REMA-EEMN). Weit entfernt von der Selbstbezogenheit der 1960er bis 1980er Jahre hat sich die Alte Musik heute zu einem echten europäischen Wirtschaftszweig entwickelt. Das REMA ist mit 182 Mitgliedern in 24 Ländern eine der treibenden Kräfte dahinter. Isabelle Battioni bekennt sich zu einer selbstbewussten Identität: die eines „unabhängigen”, agilen und zutiefst europäischen Sektors, der die Regionen belebt.
Sie sagen: „Wir gehören zu den ,Indies‘ der Musik.“ Was meinen Sie damit?
Isabelle Battioni: Das ist zunächst eine Art, zu unseren Wurzeln zu stehen: Wir sind ein unabhängiger Sektor, bestehend aus Ensembles, Festivals, kleinen, äußerst effizienten Strukturen, die oft mit wenig auskommen – und dennoch funktionieren, immer nah an den Regionen. Wir sind nicht auf schwerfälligen Institutionen mit großen, permanenten Ensembles aufgebaut; wir bewegen uns flexibel, in Projekten, Allianzen, aus Neugier. Diese Biodiversität ist unsere Stärke.
Wann wurde aus dieser „Bewegung“ eine richtige Branche?
I. B.: Zwischen 2000 und 2005 hat sich der Maßstab verändert. Der Aufschwung der Schallplatte, die Fortschritte in der Forschung, die Professionalisierung – all das hat die Alte Musik auf ein neues Niveau gehoben. Mit ihrer Gründung im Jahr 2000 ist die REMA dieser Entwicklung gefolgt: Aus einem Netzwerk von Programmverantwortlichen ist ein Raum geworden, in dem sich die gesamte musikalische Kette versammelt – Ensembles, Festivals, Forschungszentren, Konservatorien, Verlage, Instrumentenbauer. Wir sind nicht mehr eine Randnotiz der klassischen Musik, sondern eine vollwertige Branche mit eigenen Forschungssystemen, Editionen, Distributionswegen und Finanzierungsmodellen – anders, gewiss, aber tragfähig.

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