Elsa Frank & Jérémie Papasergio

Die Ära nach Denis Raisin Dadre: Doulce Mémoire führt das Erbe fort

→Das Vermächtnis bewahren, den Blick nach vorn richten: Das französische Spitzenensemble Doulce Mémoire würdigt das Lebenswerk von Denis Raisin Dadre und wagt unter der neuen Führung von Elsa Frank und Jérémie Papasergio den Aufbruch in die Zukunft. In der Oper von Tours feiert das Ensemble am 17. März eine besondere Hommage, die den Abschied ehrt und zugleich die eigene Renaissance einläutet.

Die Ära nach Denis Raisin Dadre: Doulce Mémoire führt das Erbe fort

Nach dem Verlust seines Gründers Denis Raisin Dadre im Oktober 2025 hätte das Ensemble Doulce Mémoire verstummen können. Doch man entschied sich für das Weiterleben. Als Erben eines vor über dreißig Jahren begonnenen künstlerischen Abenteuers wurden Elsa Frank und Jérémie Papasergio damit betraut, einen sensiblen Übergang zu gestalten: Bewahren, ohne zu erstarren; fortfahren, ohne zu reproduzieren. Fest im Loiretal verwurzelt und dem Repertoire der Renaissance treu verbunden, schlägt das Ensemble ein neues Kapitel seiner Geschichte auf – zwischen Hommage, Schöpfung und Neuerfindung. Anlässlich des Gedenkkonzerts am 17. März in der Oper von Tours berichten die beiden Musiker von diesem Aufbruch.

Was geschah in dieser Zeit des Stillstands zwischen dem Tod von Denis Raisin Dadre und dem heutigen Tag?

Doulce Mémoire: Zunächst herrschte ein Moment der Schockstarre. Denis begleitete uns bereits bei Überlegungen zur Weitergabe und Zukunft des Ensembles, doch sein plötzlicher Tod hat die Ereignisse überstürzt und alle denkbaren Szenarien über den Haufen geworfen. Sehr schnell stellte sich vielen von uns die Frage: Was wird aus all dem, was hier bewegt wurde? Denn Doulce Mémoire ist nicht nur ein Ensemble; es ist eine spezifische Art, sich der Musik der Renaissance zu nähern, Programme zu konzipieren, Gattungen zu kreuzen sowie die Bühnenpräsenz und das Verhältnis zum Publikum neu zu denken. In der französischen und europäischen Musiklandschaft gibt es in dieser Form kaum eine Entsprechung.

Sehr schnell begriffen wir, dass all dies nicht einfach enden durfte. Die Frage lautete nicht bloß: Sollen wir weitermachen? Sondern vielmehr: Wer kann weitermachen? Fast wie von selbst richteten sich die Blicke auf uns beide. Wir waren von Anfang an dabei, haben sämtliche Phasen des Ensembles miterlebt und kannten seine intime Geschichte, seine künstlerischen Fundamente und seine hohen Ansprüche. Es geschah ohne jedes Kalkül, aus einer Art inneren Gewissheit heraus, gepaart mit einem tiefen Verantwortungsbewusstsein.

Ihre persönliche Verbindung zu Doulce Mémoire reicht mehr als dreißig Jahre zurück…

Doulce Mémoire: Ja, sie führt uns zurück in die 1990er Jahre. Wir begegneten uns während des Studiums bei Sommerkursen – ein klassischer Weg in der Welt der Alten Musik. Denis kam ursprünglich von der Blockflöte, bevor er seine Leidenschaft für die Rohrblattinstrumente entdeckte. Der erste Kern von Doulce Mémoire kristallisierte sich durch schicksalhafte Begegnungen heraus: zunächst zwischen Denis und der Lautenistin Pascale Boquet, wenig später stieß die Sopranistin Anne Delafosse-Quentin hinzu, die bereits an den ersten Aufnahmen mitwirkte. Damals war Denis noch als Musiklehrer an Schulen in der Region Lyon tätig, doch sein Geist war bereits vollkommen von der Forschung und der Erkundung des Renaissance-Repertoires durchdrungen. Was rückblickend besonders beeindruckt, ist die Konsequenz dieses Weges. Wie so viele Ensembles der Alten Musik entsprang Doulce Mémoire einem gemeinsamen Ideal der Studienjahre und festigte sich über die Jahrzehnte durch beharrliche Arbeit, unermüdliche Neugier und die Treue zu einem Repertoire, das zu jener Zeit noch ein echtes Nischendasein fristete.

Angel

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