Junge Talente

Contre le Temps: Die Wiederaneignung des Mittelalters

→Das in Basel (Schweiz) im Umfeld der Schola Cantorum Basiliensis gegründete Frauenquartett Contre le Temps präsentiert mittelalterliche Musik in einer neu interpretierten Form. Vier Sängerinnen – zwei Französinnen, zwei Amerikanerinnen – und vier Lebenswege für einen gemeinsamen Klang, der stets auf der Suche nach sich selbst ist.

Contre le Temps: Die Wiederaneignung des Mittelalters
"Singen. Und weiter singen. Immer weiter, auch wenn wir einmal sehr alt sind!" © Foppe Schut

Contre le Temps wurde 2019 von Julia Marty, Cécile Walch, Karin Weston und Amy Farnell gegründet. Das Frauenensemble hat sich auf die Musik des Mittelalters spezialisiert und entlehnt seinen Namen einem Lied des Ritters und Trouvères Gace Brulé aus der Champagne des 12. Jahrhunderts. Der Name darf dabei als sanfte Erinnerung verstanden werden: die einzigartige Schönheit, die ungebrochene Kraft und die lebhaften Emotionen der Musik dieser Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ihr Gesang zeichnet sich durch eine bezaubernde Verschmelzung der Klangfarben aus, bei der jede Stimme ihre Individualität bewahrt und zugleich zu einem gemeinsamen, samtigen Klang beiträgt, der aus subtilen Schwingungen und evokativen Resonanzen besteht. Nach einem ersten Auftritt beim Festival Laus Polyphoniae in Antwerpen im Rahmen der  International Young Artists Presentation erreichte das Quartett 2025 einen neuen Meilenstein, als es erneut – diesmal jedoch im Kreis der etablierten Ensembles – zur Einladung kam.

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Amy Farnell: Karin und ich kommen aus den Vereinigten Staaten, Julia und Cécile aus Frankreich. Wir haben uns in Basel während unseres Studiums an der Schola Cantorum Basiliensis kennengelernt.

Wann haben Sie beschlossen, als Gruppe zusammenzuarbeiten?

Julia Marty: An der Schola Cantorum haben wir oft gemeinsam gesungen. Da wir in unterschiedlichen Klassen waren, gab es nicht diesen einen, bestimmten Moment, in dem wir die Entscheidung zur Ensemblegründung trafen. Das hat sich vielmehr organisch entwickelt. Tatsächlich haben wir nach und nach festgestellt, dass es uns zu viert nicht nur große Freude bereitet, sondern dass sich das gemeinsame Singen auch ganz selbstverständlich anfühlt.

Karin Weston: Ein entscheidender Impuls war zudem ein Projekt rund um Guillaume Dufay. Wir begannen zu singen und alles harmonierte sofort – ohne dass wir uns über Phrasierung oder die gemeinsame Atmung abstimmen mussten. Es war vollkommen natürlich. Danach sagten wir uns: Vielleicht sollten wir genau so weitermachen?

Das Dufay-Projekt war also entscheidend?

Karin: Es war sicherlich eines der Elemente. Wir hatten auch alle mit der Sängerin und Mediävistin Katarina Livljanić zusammengearbeitet, insbesondere in ihrem Ensembleunterricht. Im Jahr 2021 war ein Konzert dieser Klasse für uns besonders beeindruckend: viele Duette, Trios, Gesangskombinationen … und das wiederkehrende und anhaltende Gefühl, dass dieser so besondere Klang wirklich schön war!

Angel

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