Anknüpfend an ihre im vergangenen Jahr erschienene CD mit den Streichquartetten op. 3 von Gaetano Brunetti widmet sich Concerto 1700 nun der Gesamtaufnahme der Streichquartette op. 22 von Luigi Boccherini (1743–1805), kürzlich veröffentlicht auf dem ensemble-eigenen Label 1700 Classics. Das „Total Baroque Magazine“ traf den Geiger und Dirigenten Daniel Pinteño, der bei dieser Aufnahme von Fumiko Morie (zweite Violine), Isabel Juárez (Viola) und Ester Domingo (Violoncello) begleitet wurde. Von der konkreten Entstehung der CD über ihre Finanzierungswege bis hin zur entscheidenden Rolle öffentlicher Fördermittel und der gewandelten Funktion von Aufnahmen im Zeitalter des Streamings beleuchtet das Interview die wirtschaftlichen Realitäten der Branche. All diese Aspekte, die die aktuellen Herausforderungen eines solchen Projekts aufzeigen, machen das Hörerlebnis umso wertvoller und fundierter.
Wie ist dieses Projekt entstanden?
Daniel Pinteño: Unser Ensemble widmet sich der Wiederentdeckung und Aufwertung der spanischen Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Dabei verfolgen wir zwei Schwerpunkte: einen eher vokal-barocken und einen kammermusikalischen, den wir mit unserer CD mit Divertimenti von Gaetano Brunetti aufgegriffen haben. Letztes Jahr haben wir seine Quartette op. 3 (1774) eingespielt, da lag es nahe, uns anschließend seinem Zeitgenossen Boccherini zuzuwenden. Wir wollten ein komplettes Opus aufnehmen, denn trotz seiner Bedeutung ist es tatsächlich ziemlich schwierig, Gesamtaufnahmen seiner Werke auf CD zu finden. Darin liegt auch ein Bezug zu Madrid: Dieses Opus entstand hier in Boadilla del Monte, während des letzten Jahres im „inneren Exil“ seines Mäzens, in einem Palast, in dem Goya und andere bedeutende Künstler verkehrten.
Welche Quellen haben Sie verwendet?
D. P.: Meines Wissens gibt es eine moderne französische Ausgabe der Partitur, doch wir haben im Wesentlichen auf Grundlage der Originalausgabe gearbeitet, die kurz nach der Komposition in Paris erschien und in der Bibliothèque nationale de France aufbewahrt wird, wo sie heute online zugänglich ist. Boccherini hatte mit seinem Arbeitgeber, dem Infanten Luis von Spanien, eine Vereinbarung getroffen, die es ihm erlaubte, seine Musik in Österreich und Frankreich zu veröffentlichen und so ihre Verbreitung zu sichern. Er war damals der berühmteste Komponist Europas, noch berühmter als Haydn. Mit vollständigen Partituren arbeitete man jedoch fast nie: Den Musikern standen vor allem Einzelstimmen zur Verfügung, die für die Aufführung gedacht waren. Das Originalmanuskript mag zwar als Partitur existiert haben, in der alle Stimmen zusammengeführt waren, doch gefunden wurde es bis heute nicht.
Wie würden Sie diese Musik beschreiben?
D. P.: Boccherini und Haydn lassen sich beide als Väter des Streichquartetts begreifen, doch ihre Herangehensweisen unterscheiden sich. Während Haydn der Struktur und ihrer Entwicklung den Vorrang gibt, gleicht Boccherini eher einem Maler, der auf die Texturen und Farben achtet, die jedes Instrument beisteuern kann, was ich besonders interessant finde. Boccherini war ein virtuoser Cellist, was in einer von Geigern und Cembalisten dominierten Zeit eher selten war, und so räumt er dem Cello immer wieder Momente im Vordergrund ein. Es ist zweifellos Musik, die er selbst spielte. Seine Quartette unterscheiden sich damit von jenen, in denen die erste Geige dominiert: Hier führt auch das Cello das melodische Material ein. Die Komposition arbeitet oft in Paaren – die beiden Violinen treten in Dialog und überlassen dann Bratsche und Cello den Vortritt. Es entsteht ein echter Austausch, ein Gespräch zwischen den Instrumenten. Der Zuhörer tut gut daran, auf die Klangfarben und Texturen zu achten, die Boccherini einsetzt, denn sie tragen maßgeblich zu seinem ganz persönlichen Zugang zu diesem Genre bei.

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