So ein Sängerleben ist anstrengend: Noten lernen, Üben, Reisen, Proben, Konzertieren, Aufnehmen — und dabei nach Möglichkeit immer gesund bleiben und die Stimme pflegen. Der renommierte Sopranist und Countertenor Philipp Mathmann allerdings setzt da noch eins drauf: Er ist neben seiner Sängerkarriere auch noch als Oberarzt für Phoniatrie und Pädaudiologie an der Uniklinik Münster angestellt, dazu wirkt er als Dozent, ist politisch und ehrenamtlich aktiv, und hat nicht zuletzt auch noch eine junge Familie. Hier lässt er uns in einem Tagebuch daran teilhaben, wie er all seine Rollen — die im Leben wie die auf der Bühne — ausfüllt, wie sie harmonieren und kollidieren, was ihm diese Vielfalt abverlangt, wie sie ihn aber auch bereichert.
15.–21. September – Meer, Ruhe — und der erste Riss im Plan
Eigentlich war alles perfekt. Die Costa Blanca Spaniens zeigte sich in diesem September von ihrer freundlichsten Seite: milde Luft, die morgens wie eine Decke aus Licht über der Küste hing, ein Meer, das durch bloßes Atmen Ruhe versprach. Ich mag zwar keine Paella, aber die Wahl dieser Region war traumhaft. Und ich habe mir fest vorgenommen, diese Tage nicht nur als Urlaub, sondern als bewusste Vorbereitung zu nutzen. Die Woche war schon lange aufgrund eines Familienjubiläums geplant und wir waren in einer großen Familienrunde dort.
Der Plan war klar: Sonne, Schlaf, gutes Essen, Zeit mit der Familie und keine Termine. Aber auch tägliche Übeeinheiten, während die anderen schon am Strand lagen. Die Stimme ist ein Instrument, das konsequent gepflegt werden will, und das tue ich denn jeden Morgen in unserer sonnigen Finka, während draußen Badelatschen über warmen Stein klatschten: eine Stunde Muskulatur wecken, Resonanzräume öffnen und das neue Repertoire anschauen. Danach fühle ich mich gleichzeitig geerdet und bereit für das, was kommen sollte.
Tja – und dann, am letzten Tag, dieses Kratzen im Hals. Erst zaghaft, dann insistierend. Über Nacht wird es zu einem Brennen. Auf dem Heimflug schließlich entwickel es sich zu einer vollen Erkältung mit Kehlkopfbeteiligung. Weder als Sänger noch als Arzt kann man sich diese Zeitpunkte aussuchen; ein- bis zweimal im Jahr erwischt es jeden. So ist es nun mal. So sind wir alle Menschen.
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