Centre de musique baroque de Versailles

Nicolas Bucher: Ein Rückblick auf seine Zeit am CMBV 

→Nicolas Bucher verlässt dieser Tage das Centre de Musique Baroque de Versailles (CmbV), das er sieben Jahre lang geleitet hat, um die Leitung des Orchestre de Chambre de Genève zu übernehmen. 

Nicolas Bucher: Ein Rückblick auf seine Zeit am CMBV 
Nicolas Bucher © Pascal Le Mée

Der Organist Nicolas Bucher, 50, stand seit März 2018 an der Spitze des Centre de Musique Baroque de Versailles (CMBV). Anfang September gibt er sein Amt ab, um die Direktion des Orchestre de Chambre de Genève zu übernehmen. Zeit also für eine Bilanz seiner Arbeit an der Spitze dieser weltweit einzigartigen Institution, die im Hôtel des Menus-Plaisirs in Versailles alle Bereiche vereint, die für die Wiederentdeckung und Vermittlung des französischen Musikrepertoires des 17. und 18. Jahrhunderts nötig sind.

Warum verlassen Sie das Centre de musique baroque de Versailles?

Nicolas Bucher: Es ist unmöglich, jeden Aspekt des CMBV abzudecken, seine Mission ist so weit gefasst und verlangt ständige Bewegung. Aber ich gehöre zu denen, die glauben, dass wir nicht die Eigentümer der Institutionen sind, die uns anvertraut werden, und dass wir wissen müssen, wann es Zeit ist, weiterzugehen – sowohl für uns selbst als auch für die Institutionen. Nach fast acht Jahren in Versailles verspürte ich den Wunsch nach neuen Herausforderungen und auch den Wunsch, mich wieder in andere Repertoires zu vertiefen… und in einem anderen Land!

Sie haben es sieben Jahre lang geleitet. Was sehen Sie, wenn Sie zurückblicken?

N. B.: Das CMBV wird 2027 sein 40-jähriges Bestehen feiern, und seit der Gründung hat sich am Grundgedanken nichts geändert: Forschung, Edition, Ausbildung, Produktion und inzwischen auch Kulturvermittlung unter einem Dach zusammenzubringen – alles rund um die französische Barockmusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Die große Herausforderung war es, diese Bereiche miteinander zu verknüpfen. Denn in der Praxis läuft jeder dieser Bereiche in ganz unterschiedlichen Rhythmen und könnte leicht sein eigenes Ding machen. Meine Aufgabe war es, die Exzellenz der einzelnen Bereiche zu bewahren und sie zugleich enger zusammenarbeiten zu lassen. Das bleibt ein ständiges Jonglieren: Forschung entwickelt sich über Jahrzehnte, eine Opernproduktion dauert zwei Jahre, ein pädagogisches Projekt ein paar Monate … Diese Zeithorizonte miteinander zu verzahnen, ist wie mit mehreren Bällen gleichzeitig zu jonglieren und zu hoffen, dass sie am Ende alle doch in einer Hand landen. Aber wir sind da vorangekommen. Bei der Wiederaufnahme von Lullys Atys zum Beispiel haben wir Forschung, Produktion, die Arbeit mit dem Kinderchor und Vermittlung eng miteinander verbunden. Dasselbe beim 300. Todestag von Michel-Richard de Lalande [2026], den wir wie in einem Trichter gedacht haben, der Edition, Aufführung und Vermittlung zusammenführt. Wir bereiten dafür Publikationen vor, ein schönes Lalande-Projekt mit einem lange nicht gespielten Divertissement — L’Amour fléchi par la constance et Le Ballet de la Jeunesse —, und dazu kommt die Vermittlungsarbeit. 

Eingang zum Barockmusikzentrum von Versailles (Froton: „Hôtel des Menus Plaisirs du Roi“) © Pascal Le Mée
Angel

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