Mit Roland de Lassus: Requiem, erschienen bei Ricercar, Vox Luminis und Lionel Meunier vereinen die beiden einzigen bekannten Totenmessen des franko-flämischen Komponisten. Die erste, vierstimmige Messe wurde 1577 in Paris veröffentlicht; die zweite, fünfstimmige erschien 1589 in München in der letzten zu Lassus’ Lebzeiten publizierten Messensammlung.
Ein besonderer Reiz der Aufnahme liegt in der gewählten Fassung des vierstimmigen Requiems. Vox Luminis stützt sich nicht allein auf die Pariser Ausgabe von 1577, sondern auf eine Abschrift in einem Chorbuch der ehemaligen Benediktinerabtei St. Ulrich und Afra in Augsburg aus dem Jahr 1575. In dieser Quelle ist das Werk um eine Quinte nach unten transponiert und für ein ausschließlich männliches Ensemble aus Tenor, Bariton, Bass und tiefem Bass eingerichtet. Außerdem enthält sie die vollständige Dies irae-Sequenz, die in der französischen Ausgabe fehlt. Gregorianischer Choral und Polyphonie wechseln einander ab; hinzu kommt sogar ein zusätzlicher Vers, Ne me perdas sed regnare.
Das fünfstimmige Requiem bietet dagegen ein ganz anderes Klangbild und wendet sich stärker dem Licht zu. 1589 von Adam Berg in München veröffentlicht, verzichtet es auf die außergewöhnlich tiefe Lage des vierstimmigen Werks und setzt stattdessen auf Cantus (hohe Stimme), Altus (mittlere Stimme), zwei Tenöre und Bass. Dadurch öffnet sich das Klangspektrum deutlich nach oben: Cantus und Altus machen die Textur leichter und verleihen ihr eine Helligkeit, bisweilen sogar einen Glanz, der der dunklen Tiefe des vierstimmigen Requiems fehlt. In einigen Abschnitten reduziert Lassus die Besetzung außerdem auf zwei oder drei Stimmen und schafft so Freiräume innerhalb des volleren Chorklangs.
Vox Luminis wurde 2004 gegründet und wird von dem Bassisten Lionel Meunier geleitet. Das Ensemble hat sich insbesondere im Vokalrepertoire des 16., 17. und frühen 18. Jahrhunderts einen Namen gemacht. Kennzeichnend für seine Arbeit sind das sorgfältige Gleichgewicht der Stimmen und die Transparenz der Polyphonie. In diesen beiden Requiems kommt diese Klarheit besonders zur Geltung: Die Polyphonie bleibt dicht, ohne je undurchsichtig zu werden, und der Text bleibt stets deutlich wahrnehmbar.


Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare abgeben zu können.
Anmelden