Bachfest 2025

In Leipzig, Bach in der Unterhose … 

→Bach an den Originalschauplätzen: Das hat für viele Liebhaber seiner Musik einen ganz besonderen Reiz. Und wer weiß? Vielleicht trifft man ihn da auch mal ganz privat, quasi noch in der Unterwäsche …?

In Leipzig, Bach in der Unterhose … 

Von h-Moll-Messe bis Augmented Reality bei Bachs zu Hause, von Symphonieorchester bis Barock-Ensemble: Das Bachfest Leipzig ist nicht wirklich ein Alte Musik-Festival. Schon weil die beiden renommiertesten Ensembles in dieser Stadt im Osten Deutschlands, der Thomanerchor — mit seiner heute weit größeren Besetzung als zu Bachs Zeiten — und das Gewandhausorchester — ein modernes Symphonieorchester — traditionell intensiv ins Festivalprogramm eingebunden sind. Aber dieses Festival hat doch zwei schlagende Argumente für sich, die es jedenfalls als „authentisch“ qualifizieren: Die Originalspielstätten, und eine tiefe Verankerung im reichen Kulturleben der Stadt. 

Transformation steht dieses Jahr über dem Bachfest Leipzig, das seit 1999 an den originalen Stätten (sofern erhalten) veranstaltet wird, an denen Bach von 1723 bis zu seinem Tod 1750 wirkte — ein Begriff, der momentan in aller Munde ist. Das weiß auch der Intendant des Festivals, Michael Maul, Musikwissenschaftler und Forscher am Bacharchiv Leipzig: „Ja, wir alle werden mit diesem Wort gerade erschlagen Deswegen könnte man denken: Jetzt springen die auch noch auf diesen Dampfer. Aber ich glaube, wenn man sich unser Programm anschaut, wird man vom Gegenteil überzeugt, weil Transformation tatsächlich ein schöner Überbegriff ist, um einen Aspekt von Bachs Schaffen in den Vordergrund zu rücken, der ihn sein Leben lang begleitet hat.“ 

Johannes-Passion © Jens Schlueter / Bachfest Leipzig 2024

Und das in verschiedensten Hinsichten, die alle im Bachfestprogramm beleuchtet werden sollen: Einmal, indem Bach Stile, Traditionen seiner Vorgänger weiterentwickelte. „Und das macht er ja nicht zum Selbstzweck, sondern um seinen eigenen Stil zu entwickeln“, erklärt Maul. Als Beispiel nennt er Pergolesis Stabat Mater, das Bach zur Kantate Tilge, Höchster, meine Sünden umarbeitete, „also eine Psalmparaphrase. Da komponiert er gleich mal die Bratschenstimme neu, weil ihm da bei Pergolesi zu viel colla parte zwischen Bratsche und 2. Geige war. Und so transformiert er eben ein Hauptwerk der katholischen Kirchenmusik in ein halbes Bachwerk für den protestantischen Leipziger Gottesdienst.“ 

Dann be- und überarbeitete Bach seine eigenen Werke immer wieder. Maul führt die Johannespassion an: „viermal aufgeführt, mindestens, jedes Mal anders.“ Aber natürlich zog Bach auch Jazz-, Pop-, Rockmusiker an, und heute ist seine Musik häufig Grundlage elektronischer Werke. Auch das ein Teil des Bachfestprogramms. 

Angel

Leidenschaftlich an alter Musik interessiert und möchten Sie diesen nur für Abonnenten zugänglichen Artikel lesen?

Wenn Sie noch kein Abonnent sind, treten Sie der internationalen Total Baroque-Community bei. Abonnieren Sie hier ab 5,00€.

Abonnieren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, melden Sie sich an.

Ich melde mich an