„Trinitatis“: Bach mit Le Banquet Céleste

→Drei Gesänge für drei Seelenzustände: In Saintes durchmisst Bach in drei von Damien Guillon und Le Banquet Céleste zusammengestellten Kantaten Angst, Demut und Hoffnung – zwischen dramatischer Spannung, Inbrunst und Licht.

Im Juli 2020 vereinen Damien Guillon und sein Ensemble Le Banquet Céleste in der Abbaye aux Dames in Saintes drei Kantaten, die Bach für verschiedene Sonntage nach Trinitatis komponiert hatte1: BWV 47, 60 und 78. Vom Aufruf zur Demut in der ersten bis zum Dialog zwischen Todesfurcht und Hoffnung auf Erlösung zeigen sie drei sehr unterschiedliche Wege, den lutherischen Glauben in Musik zu fassen. Céline Scheen, Damien Guillon, Thomas Hobbs und Benoît Arnould übernehmen die vier Gesangspartien.

Vom Hochmut zur Angst vor dem Tod

Unter dem Titel „Trinitatis“ stellt Damien Guillon nicht einfach drei beliebige Kantaten zusammen: Sie alle gehören zur langen liturgischen Zeit nach dem Trinitatisfest, doch jede stellt den Menschen vor eine andere Prüfung. In Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden BWV 47 nimmt Bach die evangelische Mahnung „Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden“ zum Ausgangspunkt für die Gegenüberstellung von Hochmut und Demut.

In O Ewigkeit, du Donnerwort BWV 60 wird der Konflikt beinahe theatralisch. Der Alt verkörpert die Furcht vor dem nahenden Tod, der Tenor antwortet als Hoffnung. Erst mit dem Eingreifen Christi und dem Schlusschoral Es ist genug löst sich ihre Auseinandersetzung. Jesu, der du meine Seele BWV 78 verlagert die Spannung schließlich auf die Erlösung: Auf das Bewusstsein der Sünde folgt ein Aufbruch ins Vertrauen, bis hin zum berühmten Duett Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten, in dem Sopran und Alt sich geradezu hörbar in Bewegung setzen.

In Saintes gegen die Stille anspielen

Am 21. Juli 2020 bleibt die Abteikirche von Saintes wegen der Covid-19-Pandemie ohne Publikum, und das Festival de Saintes ist gezwungen, sich als „LABO 2020“ neu zu erfinden: Die Musiker spielen hinter verschlossenen Türen, während die Konzerte auf Leinwänden, im Radio, im Fernsehen und online übertragen werden. Sechs Jahre später ist diese Aufzeichnung ein Zeugnis jener seltsamen Zeit geblieben, der gerade die Themen dieser drei Kantaten heute eine besondere Resonanz verleihen.

Damien Guillon leitet Le Banquet Céleste und übernimmt zugleich die Altpartie, an der Seite von Céline Scheen, Thomas Hobbs und Benoît Arnould. Ein schlank besetztes Instrumentalensemble verleiht den vier Stimmen und den Kantaten einen unmittelbaren, kammermusikalischen Charakter. Drei Jahre später erhält das Programm ein zweites Leben: Dieselben Sänger nehmen die drei Werke für Alpha Classics unter dem Titel Trinitatis auf.


Das Programm

Johann Sebastian Bach:

Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden, BWV 47
O Ewigkeit, du Donnerwort, BWV 60
Jesu, der du meine Seele, BWV 78

Besetzung:

  • Céline Scheen, Sopran
  • Damien Guillon, Alt und Leitung
  • Thomas Hobbs, Tenor
  • Benoît Arnould, Bariton
  • Le Banquet Céleste
  • Damien Guillon, Leitung

In der Abbaye aux Dames in Saintes, im Rahmen des Festival de Saintes – LABO 2020.

  1. Mit „Trinitatis“ ist hier ein Fest des christlichen Kirchenjahres gemeint, das am Sonntag nach Pfingsten gefeiert wird. Im lutherischen Kalender zu Bachs Zeit wurden die darauffolgenden Sonntage als „erster Sonntag nach Trinitatis“, „zweiter Sonntag nach Trinitatis“ usw. bis zum Ende des Kirchenjahres gezählt. ↩︎