Théotime Langlois de Swarte, der im November seinen 30. Geburtstag feiert, ist einer der gefragtesten Geiger seiner Generation. Im Januar 2025 veröffentlichte Harmonia Mundi seine Aufnahme von Vivaldis Vier Jahreszeiten mit Le Consort. Außerdem spielte er das Meisterwerk des venezianischen Komponisten im Februar und März dieses Jahres auf einer Nordamerika-Tournee mit Les Arts Florissants auf der Bühne.
Barockmusik war schon immer Teil Ihres Lebens: Ihre Eltern unterrichten Gesang und Sie haben im Alter von vier Jahren mit dem Geigenspiel begonnen. Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie Vivaldis Vier Jahreszeiten entdeckt haben?
Théotime Langlois de Swarte: Es waren die Vier Jahreszeiten, die mich schon in jungen Jahren zur Geige und zum Barockrepertoire gebracht haben.
Haben Sie beim Spielen der Vier Jahreszeiten nicht das Gefühl, ins Oberflächliche abzurutschen, weil diese Stücke heute so oft gespielt werden?
T. L. S.: Die Barockmusik, die mich fasziniert, bewegt und berührt, braucht Wiederentdeckungen. Das heißt, man muss Komponisten, die seit dem 17. oder 18. Jahrhundert in Vergessenheit geraten sind, wieder hörbar machen, indem man verlorene oder vergessene Partituren wiederfindet, wie ich es beispielsweise als erst der zweite Geiger getan habe, der Musik von Jean-Baptiste Senaillé aufgenommen hat. Aber die Barockmusik braucht auch Bannerhalter des Repertoires, die aber mit einem historischen, musikwissenschaftlichen Ansatz interpretiert werden müssen, damit diese Werke so nah wie möglich an dem Kontext wiedergegeben werden können, in dem sie von ihren eigenen Komponisten zum ersten Mal gehört wurden. Man muss sich also der Vier Jahreszeiten annehmen, auch wenn sie extrem oft gespielt werden, denn sie sind nach wie vor ein sehr starker emotionaler Vektor, mit dem man auch ein jüngeres Publikum erreichen kann. Ich denke, wenn es bei mir funktioniert hat, könnte es auch bei anderen funktionieren.
Was gibt es als Interpret noch an den Vier Jahreszeiten zu entdecken?
T. L. S.: Es ist eines der großen Meisterwerke des 18. Jahrhunderts, das meiner Meinung nach jedoch unterschätzt wird. Auch wenn es überall und ständig gespielt wird, geschieht dies nicht unbedingt aus den richtigen Gründen …
Was sind denn die richtigen Gründe?
T. L. S.: Die Intention spielt bei der Interpretation eine große Rolle. Die ist schon bei der Entstehung eines Objekts wichtig. Heute werden Kopien von Stradivari-Geigen hergestellt, wobei genau die gleichen Komponenten und Maße verwendet werden, und doch sind diese Geigen aufgrund der Intentionen ihres Herstellers völlig anders. Der Wille, das künstlerische Ideal, auch wenn es sich nur um Ideen handelt, verändern das Ergebnis völlig. Die Vier Jahreszeiten sind sehr tiefgründige Musik, die viele Themen behandeln, die heute aktuell sind, sei es das Zusammenleben, die Gemeinschaft, die Klimakrise, unsere Beziehung zum Leben … Es ist ein ziemlich umfassendes Werk.
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