Le Poème Harmonique

Vincent Dumestre: Bach wie zu Weihnachten 1723

→Es ist ein Novum: Nach 27 Jahren Tätigkeit und zahlreichen Einspielungen widmen sich Vincent Dumestre und sein Ensemble Le Poème Harmonique in diesem Dezember erstmals Johann Sebastian Bach – mit dem Magnificat in der Weihnachtsversion von 1723. Gleichzeitig verlieren sie die italienische Musik keineswegs aus den Augen und bereiten für 2026 ein großes Projekt in Rom, Venedig und Neapel vor. 

Vincent Dumestre: Bach wie zu Weihnachten 1723
"Die Bibliotheken sind voller unedierter Partituren und noch zu entdeckender Repertoires." © Diaghilev Festival

Gegründet 1998 von dem Lautenisten und Dirigenten Vincent Dumestre, gehört Le Poème Harmonique zur Generation nach den Pionieren der Wiederentdeckung des Repertoires des 17. und 18. Jahrhunderts. L’Huomo Femina, eine unwiderstehliche Opernkomödie von Galuppi in der Inszenierung von Agnès Jaoui, wurde gerade mit dem Opera Award 2025 in der Kategorie Wiederentdeckte Werke ausgezeichnet. Das Ensemble widmet sich bekannten wie unbekannten Stücken, die den Alltag und die Zeremonien in Versailles prägten (Lully, Couperin, Charpentier…), ebenso wie der italienischen Musik von Monteverdi bis Pergolesi oder dem England Purcells. Seine Programme knüpfen die Fäden zwischen Profanem und Sakralem, zwischen Kunstmusik und populären Quellen neu, beziehen aber auch Theater, Tanz oder Zirkus ein oder integrieren in die Konzerte Prozessionen und verblüffende räumliche Effekte. Zum Jahresende überrascht Vincent Dumestre erneut, indem er sich erstmals Johann Sebastian Bach zuwendet, mit der Weihnachtsversion des Magnificat von 1723. Ein Gespräch. 

Johann Sebastian Bach – jetzt also. Endlich, könnte man sagen? 

Vincent Dumestre: Seit 27 Jahren warte ich auf diesen Moment: der erste Bach von Poème Harmonique, das heißt, das erste Mal, dass wir das Magnificat von Johann Sebastian Bach aufführen. Es ist ein wichtiger Moment und ein Werk, das ich seit meiner Jugend kenne, das ohnehin alle kennen und über das ich seit vielen Jahren viel nachdenke. Wir spielen es allerdings in einem besonderen Rahmen, denn mir geht es darum, das Weihnachtsfest von 1723 zu rekonstruieren, Bachs erstes Weihnachten in Leipzig. Und für dieses Datum haben wir das Glück, genau zu wissen, was er am 25., 26. und 27. Dezember 1723 in der Peterskirche und der Nikolaikirche komponiert und musiziert hat, da er ja Kantor an mehreren Kirchen war. Ich möchte ein präzises Bild dieses ersten Weihnachtsfestes in Leipzig zeichnen, so wie es in Anwesenheit des Kantors stattfand, mit dem Magnificat in seiner Originalversion, durchzogen von deutschen Laudes, von der Empore gesungen, die die Weihnachtsgeschichte im Kleinen erzählen. 

An diesem 25. Dezember ließ Bach auch die Kantate BWV 63, Christen, ätzet diesen Tag, erklingen, und quasi als Spiegel zu diesen beiden großen Werken erklang das Sanctus BWV 238 — ebenfalls an diesem 25. Dezember uraufgeführt, sowie ein Choral. Das wird auch unsere erste Einspielung eines Werkes dieses Komponisten sein. Sie können sich vorstellen, wie bewegt wir wegen dieses Projekts sind! Und wir werden es an der Opéra de Dijon, in der Chapelle royale von Versailles und anschließend in Danzig in Polen aufführen. 

Angel

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