Die flämische Großstadt Antwerpen kann sich seit gut drei Jahrzehnten eines ganz besonderen Sommerhighlights rühmen: Des Festivals Laus Polyphoniae (Lob der Polyphonie) — des einzigen Festivals der Welt, das sich ganz auf Polyphonie, insbesondere der Renaissance, fokussiert.
Das liegt natürlich in einer Stadt wie Antwerpen nahe, in der zumindest die Altstadt mit der Kathedrale, dem Rubens-Haus und diversen weiteren Kulturdenkmälern noch von dem strahlenden goldenen Zeitalter Flanderns im 15. und 16. Jahrhundert zeugt — inklusive der Blüte der franko-flämischen Vokalpolyphonie. Und so finden die meisten Konzerte dieses Festivals auch in historischen Räumen und Kirchen statt, insbesondere im Augustinus Muziek Zentrum (AMUZ), einer profanierten Kirche, die vor 20 Jahren in einen Konzertraum erster Güte umgebaut wurde.
Aber das Antwerpener Festival ist auch hinsichtlich seiner Programmierung einzigartig: Statt immer wieder die gleichen Mainstream-Schlager des jeweiligen Repertoires in sich nur unwesentlich unterscheidenden Interpretationen herunterzunudeln, bietet man den Besuchern hier nur sehr selten ein Stück, das sie irgendwo schon einmal gehört haben. Vielmehr stehen fast ausschließlich Neuentdeckungen, Wiederausgrabungen, Produkte jahrelanger Forschungen im über 700-seitigen Programmbuch der zehntägigen Veranstaltung, die auch Kurse für Kinder und Amateurmusiker, Lesungen und Vorträge umfasst.
Ein Programmkonzept also, das der gemeine Wald- und Wiesenfestivalprogrammator scheut, wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. Aber siehe da: Das Publikum goutiert diese mit wissenschaftlichen Begleitveranstaltungen unterfütterte Tiefe. Die Konzerte sind seit Jahren so komplett ausverkauft, dass manche Ensembles schon spontan ein Zweitkonzert am gleichen Abend einlegen mussten, um der Nachfrage der hoffnungsfrohen Kartenaspiranten vor der Tür zu entsprechen. Wie erklärt sich der künstlerische Leiter von Laus Polyphoniae, Bart Demuyt, diesen Erfolg?
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