Mit siebzehn Jahren entdeckt die französische Dirigentin Camille Delaforge den Schlusschor aus Charpentiers Le Reniement de saint Pierre: ein „Schock“, zu dem sie über Jahre immer wieder zurückkehrt, bis sie das Werk zum Ausgangspunkt dieses neu bei Alpha Classics erschienenen Albums macht. Gemeinsam mit Purcells Saul and the Witch of Endor und Ferrandinis Il pianto di Maria entsteht ein Triptychon über Figuren in jenem Moment, in dem ihr Glaube ins Wanken gerät: Saul, von Gott verlassen, Maria am Fuß des Kreuzes und Petrus, der sich seines Verrats bewusst wird.
In allen drei Werken steht das Drama im Vordergrund. Bei Purcell sucht Saul in der Nacht bei der Totenbeschwörerin von Endor nach einer letzten Antwort; Ferrandini lässt Maria selbst ihre Qual aussprechen; Charpentier führt Petrus bis zur Erkenntnis seiner Verleugnung. Drei konzentrierte Szenen, in denen die knappen Mittel die Intensität nicht mindern, sondern noch verdichten.
Für dieses Programm versammelt Camille Delaforge sieben Sängerinnen und Sänger. Floriane Hasler trägt Il pianto di Maria allein; Apolline Raï-Westphal, Mathias Vidal und Guilhem Worms gestalten Purcells Drama, während Raï-Westphal in Le Reniement de saint Pierre gemeinsam mit Laura Jarrell, Bastien Rimondi, Jordan Mouaïssia und Guilhem Worms zu hören ist. An ihrer Seite spielt Il Caravaggio in schlanker Besetzung mit Streichern, Viola da gamba, Kontrabass und Theorbe; Delaforge selbst übernimmt Cembalo und Orgel.
Unter den versammelten Werken fällt Giovanni Battista Ferrandinis Il pianto di Maria durch seine besondere Unmittelbarkeit auf. In dieser groß angelegten Kantate für Mezzosopran und Streicher, die lange Händel zugeschrieben wurde, ergreift Maria am Fuß des Kreuzes selbst das Wort. Während das Stabat Mater traditionell eine Außenperspektive einnimmt, macht Ferrandini sie zur Protagonistin des Dramas: Schmerz, Zweifel und Verlassenheit werden in der ersten Person ausgedrückt.
Nach dieser Reise durch die Einsamkeit endet das Album dennoch im Licht: mit Purcells When Orpheus sang, all nature did rejoice, gesungen von Floriane Hasler. Orpheus’ Gesang stellt symbolisch die Ordnung der Welt wieder her und öffnet nach Angst und Schweigen den Blick auf eine wiedergefundene Gemeinschaft.


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