Gramophone Awards 2026: Alte Musik stark vertreten

Die Shortlist der Gramophone Classical Music Awards 2026 steht fest. In jeder der elf Kategorien wurden sechs Einspielungen nominiert, bevor die Preisträger bei der Verleihung am 7. Oktober in London bekannt gegeben werden. Die Alte Musik ist in diesem Jahr besonders stark vertreten – weit über die eigens ihr gewidmete Kategorie hinaus.

In der Kategorie Early Music zeichnen die sechs Nominierungen ein Panorama von der Renaissance bis zum frühen 17. Jahrhundert: Loyal Souvenir mit Werken von Gilles Binchois, eingespielt von Le Miroir de Musique und Baptiste Romain; Josquins Missa L’ami Baudichon und Mailänder Motetten mit Cut Circle unter der Leitung von Jesse Rodin; Monteverdis Sesto Libro de Madrigali mit RossoPorpora und Walter Testolin; William Mundys Vox Patris Caelestis mit dem Choir of New College Oxford und Robert Quinney; Stravagante pensiero – Gesualdo & Napoli mit Concerto Italiano und Rinaldo Alessandrini; sowie schließlich Vox Feminae der Kapsber’girls, eine farbenreiche Erkundung weiblicher Repertoires des 17. Jahrhunderts.

Doch auch in den anderen Kategorien ist der Barock stark präsent. In Choral entfallen vier der sechs ausgewählten Aufnahmen auf barockes Repertoire: die Leipzig Cantatas von Johann Ludwig Bach, eingespielt von Capella Sollertia und Johanna Soller; J. S. Bachs Johannes-Passion mit Pygmalion und Raphaël Pichon, mit Julian Prégardien, Ying Fang, Lucile Richardot und Christian Immler; die Messen von Orazio Benevoli mit I Fagiolini und Robert Hollingworth; sowie Händels Messiah mit dem Irish Baroque Orchestra & Choir unter der Leitung von Peter Whelan.

Auch die Kategorie Instrumental räumt der Alten Musik einen wichtigen Platz ein. Jean Rondeau ist für seine umfangreiche Gesamteinspielung der Werke Louis Couperins auf elf CDs nominiert, während die junge französische Cembalistin Louise Acabo mit Chambonnières Overseas auf der Shortlist steht, einer Einspielung, die den Komponisten Jacques Champion de Chambonnières (1602–1672) ins Zentrum rückt. Auch der norwegische Lautenist Rolf Lislevand ist mit Libro primo nominiert, das dem Repertoire der Barocklaute des 17. Jahrhunderts gewidmet ist. Hinzu kommt der Amerikaner Chris Thile mit dem zweiten Band seiner Sonaten und Partiten von Bach, für Mandoline übertragen.

In der Kategorie Chamber Music vertreten Isabelle Faust, Kristin von der Goltz und Kristian Bezuidenhout J. S. Bachs Sonaten für Violine und Continuo und sind damit die einzigen Vertreter des Barock in dieser besonders stark besetzten Kategorie. Auch die Barockoper kommt nicht zu kurz: Purcells jüngste Einspielung von Dido and Aeneas mit Joyce DiDonato und Michael Spyres, Il Pomo d’Oro und Maxim Emelyanychev zählt zu den sechs Finalisten der Kategorie Opera. Schließlich sind in der Kategorie Song Léa Desandre, Thomas Dunford und das Ensemble Jupiter mit Songs of Passion nominiert, einem Programm rund um John Dowland und seine Zeitgenossen, neben unter anderem Jess Dandy, Laurence Kilsby und Huw Montague Rendall.

Diese Shortlist 2026 bestätigt damit einmal mehr die außergewöhnliche Vitalität der Alten Musik auf dem Tonträgermarkt. Am 7. Oktober wird sich zeigen, wer seine Nominierung in einen Gramophone Award verwandeln kann.