Der italienische Cembalist und Dirigent Francesco Corti, 41, lebt in Basel (Schweiz) und hat sich eine abwechslungsreiche Laufbahn geschaffen. Zwischen Il Pomo d’Oro, der Akademie für Alte Musik Berlin und seiner Tätigkeit als Musikdirektor des Theaters von Drottningholm zieht er es vor, mit wechselnden Ensembles zu arbeiten, anstatt ein eigenes zu gründen. So kann er unterschiedliche Repertoires und Traditionen erkunden – und für eine lebendige, grenzüberschreitende Musikkultur in Europa eintreten.
Sie bezeichnen sich also als nomadischen Dirigenten?
Francesco Corti: Das ist kein Begriff, an dem ich besonders hänge, aber es stimmt: Ich bin ein Dirigent ohne festes Orchester. Am Anfang war das gar keine bewusste Entscheidung. Wie viele Continuospieler bin ich zum Dirigieren gekommen, weil mich Musiker – etwa die Musiciens du Louvre – eingeladen haben, bei kleineren Projekten den Taktstock zu übernehmen. Dann kam Il Pomo d’Oro, dann weitere Ensembles, Opernhäuser – Antwerpen, Gent, nächstes Jahr Amsterdam oder das Theater an der Wien… So bin ich nach und nach mit vielen unterschiedlichen Formationen in Kontakt gekommen, ohne je mein eigenes Ensemble zu gründen.
Warum haben Sie nie ein eigenes Ensemble gegründet?
F. C.: Ich finde es spannend, mit bestimmten Orchestern regelmäßig zu arbeiten, aber auch zu wechseln, neue Begegnungen zu machen. Jedes Orchester hat seine Klangsprache, seine Kultur, seine Gewohnheiten – das ist für mich unglaublich anregend. Ich ziehe diese Vielfalt dem Gedanken vor, ein ganzes Ensemble auf meine Person zu gründen. Il Pomo d’Oro war meine erste große Zusammenarbeit, und es ist bis heute eine treue musikalische Heimat geblieben. Dann kam die Akademie für Alte Musik Berlin, mit der ich erst kürzlich begonnen habe, und mit der wir schon neue Projekte planen. Und schließlich Drottningholm, wo ich seit 2023 Musikdirektor bin. Das sind im Moment meine drei Standbeine.
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