Junge Talente

False Consonance: Zu viert, ohne Tasteninstrument

→False Consonance gründete sich 2020 im norddeutschen Bremen – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als die Pandemie das europäische Musikleben zum Erliegen brachte. Das Quartett hat seine ungewöhnliche Besetzung zum Markenzeichen erhoben: vier Musikerinnen und Musiker, jedoch kein Tasteninstrument zur Stützung des Continuos. Eine Einschränkung, die schnell zum reizvollen Experimentierfeld avancierte.

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False Consonance: Zu viert, ohne Tasteninstrument
False Consonance, ein 2020 in Bremen gegründetes junges Ensemble, vereint Flöte, Violine, Viola da gamba oder Violoncello und Laute. Ohne Tasteninstrument pflegt das Quartett eine Art „Musik im Taschenformat“, indem es groß besetzte Werke auf ein minimales kammermusikalisches Ensemble reduziert. © False Consonance

Das deutsche Quartett False Consonance, das vor dem Hintergrund der Covid-Pandemie zusammenfand, wurde zur „Rheinsberger Hofkapelle“ für die Saison 2024/25 gekürt. Der Titel leitet sich von jenem legendären Musikensemble ab, das der spätere Preußenkönig Friedrich II. – damals noch Kronprinz – zwischen 1736 und 1740 auf seinem Schloss Rheinsberg unterhielt. Diese historische, aus jungen Virtuosen bestehende Hofkapelle prägte die Musikgeschichte. Im Gedenken an diesen Klangkörper vergibt die Musikakademie Rheinsberg – rund hundert Kilometer von Berlin entfernt – alljährlich eine Residenz an ein Barockensemble. Gefördert vom Deutschen Musikrat, dem Land Bremen und der Deutschen Orchester-Stiftung, bahnt sich False Consonance nun seinen eigenen Weg: mit Gespür für das Barockrepertoire, durchdachten historischen Programmen und Projekten, die eigens für historische Spielstätten konzipiert sind. Am Rande der Telemann-Festtage in Magdeburg trafen wir zwei Mitglieder des Quartetts zum Gespräch: den Lautenisten und Theorbisten Johannes Festerling sowie den Gambisten und Cellisten Thomas Fields.

False Consonance entstand 2020, zu einer Zeit, als die Welt plötzlich stillzustehen schien. War die Gründung eines neuen Ensembles mitten in der Pandemie eine Form von Optimismus?

Johannes Festerling: Es war vor allem der Wunsch, Kammermusik zu machen! Wir waren in der glücklichen Lage, dass drei von uns unter einem Dach wohnten und ich direkt nebenan. So konnten wir die damals geltende Zwei-Haushalte-Regel einhalten. Auf diese Weise haben wir angefangen, zusammen zu spielen – und zwar ganz ohne Tasteninstrumente!

Im selben Jahr, Johannes, wurden Sie Kulturbotschafter der Hansestadt Bremen. Wie wird man das und worin bestand diese Aufgabe?

J. F.: Potsdam feierte damals den 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung. Aufgrund der Pandemie fanden die Feierlichkeiten eher in Form einer großen Ausstellung als einer großen öffentlichen Veranstaltung statt. Der Bremer Pavillon präsentierte verschiedene Kunstformen. Ich habe mich beworben, wurde ausgewählt und habe dort Bach gespielt. Bremen nahm übrigens eine etwas besondere Stellung ein, da wir echte Live-Auftritte boten.

Thomas, Ihr Werdegang hat Sie von New York nach Bremen und Würzburg, aber auch nach Peking geführt. Was zog Sie nach China?

Thomas Fields: Nach meinem Bachelor-Abschluss in Rochester im Bundesstaat New York nahm ich tatsächlich ein Jahr lang an einem Austauschprogramm in Peking teil, das von der chinesischen Regierung unterstützt wurde. Am Zentralen Konservatorium habe ich Musikwissenschaft studiert – das war, bevor ich mich auf Alte Musik spezialisiert habe. Dieses Jahr war spannend: Ich habe die chinesische Musik entdeckt, aber auch die von Musikern aus den unterschiedlichsten Ländern, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen damals in Peking aufhielten.

Ihr Repertoire reicht von Händel und Telemann über französische Komponisten bis hin zu Georg Muffat. Sie haben aber auch zwei Programme rund um Berlin entwickelt. In „Les Reines Philosophes“ beschäftigen Sie sich insbesondere mit Sophie-Dorothée von Preußen. Warum?

J. F.: Mit diesem Programm „Les Reines Philosophes“ haben wir uns bei Rheinsberg beworben. Die Akademie verlangte, dass das gewählte Repertoire einen Bezug zur „Berliner Schule“ haben sollte. Da wir stets bestrebt sind, abwechslungsreiche Programme zusammenzustellen, führten uns unsere Recherchen zu den Frauen im Umfeld Friedrichs II. Wir wollten ihre Bedeutung stärker hervorheben: seine Schwestern, seine Mutter, seine Großmutter, aber auch Elisabeth-Christine. Für Sophie-Charlotte, seine Großmutter, haben wir zum Beispiel eine Sonate von Arcangelo Corelli ausgewählt: Er hatte ihr sein Opus 5 gewidmet. Wir gehen bei der Gestaltung unserer Programme gerne von solchen historischen Verbindungen aus.

Von links nach rechts: Theo Small, Thomas Fields, Johannes Festerling und Annie Gard. © False Consonance
Angel

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