Das an der Royal Academy of Music in London von Lucie Chabard, Alice Trocellier, Mariamielle Lamagat und Louise Ayrton gegründete Ensemble Théodora hat sich als eine der vielversprechendsten Formationen der jungen französischen Barockszene etabliert. Seit 2023 ist das Quartett in Residenz bei der Fondation Singer-Polignac und gastierte bereits beim Festival Radio France Montpellier, beim MA Festival Brugge, in La Chaise-Dieu, Utrecht und Sablé-sur-Sarthe sowie beim London Händel Festival. Das Frauenquartett erkundet die musikalischen Strömungen des barocken Europas und richtet dabei ein besonderes Augenmerk auf im Exil lebende Komponisten sowie den Wandel musikalischer Stile. Sein erstes Album bei Alpha Classics, „Tranquilles Cœurs“, führt diese künstlerische Identität fort, indem es den Spuren des französischen Geschmacks im barocken Deutschland nachspürt. Für das Total Baroque Magazine blicken Mariamielle Lamagat und Lucie Chabard, Sopranistin bzw. Cembalistin des Ensembles, auf dessen Entstehung, die Freundschaft, auf der es basiert, und diese ganz persönliche Art zurück, Stile, Sprachen und Temperamente miteinander in Dialog zu bringen.
Wie würdet ihr das Ensemble und euer Projekt jemandem beschreiben, der es noch nicht kennt?
Mariamielle Lamagat: Wir sind vier Musikerinnen, die zu Freundinnen geworden sind, und diese Freundschaft hat sehr schnell ihre musikalische Form gefunden. Das Ensemble entstand an der Royal Academy of Music aus dem gemeinsamen Wunsch heraus, das französische Repertoire zu spielen, das wir alle liebten.
Lucie Chabard: In Frankreich scheint dieses Repertoire fast selbstverständlich. In London war das weit weniger der Fall. So haben wir uns um Couperin, Rameau und Jacquet de La Guerre versammelt, mit dem Gefühl, sowohl eine musikalische Sprache als auch eine gemeinsame Neugier zu teilen.
Kanntet ihr euch schon vorher?
M. L.: Die anderen studierten dort bereits im Studiengang Alte Musik. Ich absolvierte ein Jahr nach ihrer Ankunft ein Erasmus-Jahr. Es war sofort spürbar, was wir da aufbauten – die Freude am gemeinsamen Musizieren … Wir fanden zueinander über die Arbeit am Detail.
L. C.: Und über eine gemeinsame Neugier auf Programme rund um Forschungsthemen, ausgehend etwa von unseren Lektüren.
Eure Arbeitsweise scheint sehr kollektiv zu sein. Wie werden Entscheidungen innerhalb des Ensembles getroffen?
L. C.: In der Tat: Alles wird zu viert entschieden. Das ist wertvoll, denn wir spielen auch in anderen Ensembles, in denen wir als Interpretinnen auftreten, ohne immer an den Entscheidungen beteiligt zu sein. Das Ensemble Théodora dagegen ist unser Freiraum: die Wahl der Programme, der Stimmungen, der Instrumente, der Forschungsschwerpunkte, Konzertakquise und Öffentlichkeitsarbeit… All das wird gemeinsam besprochen.

M. L.: Seit einiger Zeit laden wir gelegentlich andere Musiker ein, mit uns zu spielen – etwa den Theorbisten Étienne Galletier oder die Mezzosopranistin Adèle Charvet, mit der wir das „Duo de la Paix et de la Félicité“ für unser Album aufgenommen haben. Manchmal ergeben sich auch Konzerttermine, bei denen eine von uns vertreten werden muss; das kommt vor, denn es ist immer schwierig, die Terminkalender unter einen Hut zu bringen. Wir bilden zwar ein Quartett, doch das schränkt unsere Freiheit nicht ein.
Hängt diese Freiheit auch mit der langen Zeit zusammen, die ihr euch vor der Aufnahme genommen habt?
L. C.: Man bedenke: Wir spielen seit 2017 zusammen. Wir haben uns Zeit gelassen, bevor wir diese erste Platte herausbrachten, weil es uns wichtig war, unser Projekt reifen zu lassen …
M. L.: Und vor allem einen eigenen Klang!
L. C.: Ja, einen Klang kann man nicht einfach aus dem Stegreif festlegen. Es braucht Zeit, Konzerte, Proben, manchmal auch Meinungsverschiedenheiten und jene gemeinsame Erinnerung, die man schließlich aufbaut, ohne es überhaupt zu merken. In einem Umfeld, in dem alles sehr schnell geht, war es uns wichtig, das erst reifen zu lassen, bevor wir aufnahmen.
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