Geboren im Jahr 2001 im honduranischen San Pedro Sula, hat der Sopranist Dennis Orellana einen ebenso ungewöhnlichen wie rasanten Weg hinter sich. Nach seinen Studien an der Escuela Superior de Canto in Madrid und der Musikhochschule Stuttgart horchte die Barockwelt spätestens 2021 auf, als er in Porporas Carlo il Calvo in Madrid debütierte. Nur ein Jahr später folgte die Mailänder Scala. 2024 wurde er mit dem ersten Preis des Farinelli-Wettbewerb im Rahmen der Internationalen Händel-Festspiele Karlsruhe ausgezeichnet. Ein Porträt über einen jungen Ausnahmekünstler, dessen Stimme durch seltene Flexibilität, mühelose Höhen und ein intuitives Gespür für die barocke Rhetorik besticht.
Wie alles begann
„Meine Familie ist eigentlich gar nicht musikalisch. Wir lieben Musik zwar, aber ich habe schon immer dieses Bedürfnis gespürt, selbst welche zu machen. Als Kind war ich voller Leidenschaft für das Singen: Ich habe Pop geliebt, Disney-Songs, eben alles, was im Radio lief – so hat das Ganze angefangen. Mit 14 oder 15 habe ich dann beschlossen, mit einer Musikausbildung in meiner Heimatstadt zu beginnen.
Beim Vorspielen für die Musikschule konnte man sich das Instrument nicht wirklich aussuchen. Da ich etwas älter war als die anderen Kinder, sagte man mir: „Du bist ein Teenager, du kannst eine Posaune tragen.“ Also blieb ich dabei. Rückblickend hat die Posaune meine Stimme geprägt; die Atemtechnik ist nahezu identisch. Zudem schärfte das Instrument mein Gehör und half mir für mein absolutes Gehör, da die Position des Zugs für den exakten Ton absolut präzise sein muss. Das hilft mir heute enorm beim Partiturstudium, besonders bei zeitgenössischer Musik.
Von Symphonic Metal zum Barock
Dass ich Sopran singe, verdanke ich einer tiefen Begeisterung für Symphonic Metal – ein Subgenre, das mich kurz vor meinem Studium vollkommen in seinen Bann zog. Diese Symbiose aus Orchester, Chor und klassischem Gesang faszinierte mich, insbesondere der ästhetische Klang der Sängerinnen. Die Oper war mir zwar bekannt, doch erst durch diese Rockstimmen fand ich einen wirklichen Zugang zu ihr. Ich entwickelte eine große Leidenschaft für unterschiedliche Klangfarben, für die Virtuosität der Kopfstimme und das Zusammenspiel der Resonanzen mit den Streichern und der Gitarre.
Die Barockmusik wiederum eroberte mein Herz in dem Augenblick, als ich Buxtehude und Bach hörte. Ich spürte sofort: „Das ist meine Welt.“ Diese Musik besitzt eine tragende Kraft; sie ist so brillant geschrieben und mit einer solchen emotionalen Intelligenz komponiert. Von der Neugier gepackt, ob meine Kopfstimme diese Partien meistern könnte, begann ich, die ersten Arien zu explorieren.
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