Countertenöre: Die südamerikanische Connection

Samuel Mariño: Von Caracas nach Paris

→Ausgebildet in Caracas und am Conservatoire de Paris: Der Sopranist Samuel Mariño erzählt, warum er durch seine Diplomprüfung fiel, weil er kein gewöhnlicher Countertenor war, wie er seine extravaganten Bühnenoutfits in Second-Hand-Läden aufspürt – und warum er sich eine empathischere Welt wünscht.

Samuel Mariño: Von Caracas nach Paris
" Ich bin überzeugt, dass ich der Welt etwas Einzigartiges zu bieten habe." © Robbie Ewing

Vom venezolanischen Caracas auf die großen Bühnen der Welt: Samuel Mariño singt seit jeher in der Sopranlage. Der 1993 geborene Künstler erhielt seine Ausbildung zunächst am Conservatorio Nacional de Música seiner Heimatstadt und später am Conservatoire de Paris. 2017 feierte er bedeutende internationale Erfolge: Er gewann den Publikumspreis beim Wettbewerb „Neue Stimmen“ in Gütersloh sowie den Interpretationspreis beim internationalen Gesangswettbewerb der Opéra de Marseille. Mariño hat bislang drei Alben veröffentlicht: Care pupille, Sopranista und Lumina wurde er in den Kategorien „Nachwuchskünstler des Jahres“ und „Sänger (Oper)“ für den Opus Klassik nominiert. Berühmt für seine androgyne Ausstrahlung, seine funkelnden Koloraturen und seine spektakuläre Garderobe, bricht er konsequent mit Erwartungshaltungen und Stereotypen. Dabei verfolgt er eine klare Mission: Ein neues Publikum für die Welt der Oper und der Barockmusik zu begeistern.

Meine musikalischen Anfänge

Meine Familie besteht nicht etwa aus Musikern – es sind allesamt Tänzer! Ich selbst bin der wohl schlechteste Tänzer der ganzen Familie, und das, obwohl ich acht Jahre lang Ballettunterricht hatte. Da meine Mutter mich als Kind ständig singen hörte, meldete sie mich in einem Chor an. Außerdem habe ich als kleiner Junge Klavier gespielt.

Die Entdeckung meiner Sopranstimme

Mit 14 Jahren war meine Stimme noch immer nicht in den Stimmbruch gekommen, weshalb ich in der Schule ständig gehänselt wurde. Mein Kehlkopf zeigte keinerlei Anzeichen von Wachstum, und so blieb meine Sprechstimme hoch. Ich flehte meine Mutter an, mit mir einen Arzt aufzusuchen, um das Problem endlich zu lösen. Da der Chor jedoch der einzige Ort war, an dem ich mich normal fühlte, riet mir ein Arzt schlichtweg dazu, einfach weiterzusingen. Bis heute pflege ich eine komplizierte Beziehung zu meiner Stimme.

Meine musikalische Ausbildung

Mit 16 Jahren begann ich mit dem Gesangsunterricht am Conservatorio Nacional de Música in Caracas. Parallel dazu studierte ich Ballett an der dortigen Escuela Nacional de Danza. Meinen Schulabschluss machte ich mit 17 und schrieb mich daraufhin an der Universität für das Fach Malerei ein. Doch meine Eltern überzeugten mich, es zumindest für ein Semester mit der Musik zu versuchen, weil sie spürten, wie glücklich mich das Singen machte. Ich entdeckte die Barockmusik für mich – doch man wusste dort ehrlich gesagt nicht so recht, was man mit mir anfangen sollte. Ein guter Freund riet mir schließlich zu Europa; dort ist die Oper schließlich zu Hause. Ich entschied mich für Paris, weil es die günstigste Option war. Meine Familie ist nicht reich! Um die Reise bezahlen zu können, backten und verkauften wir Zitronentorten und veräußerten verschiedene Habseligkeiten. Ein guter Freund riet mir schließlich zu Europa; dort ist die Oper schließlich zu Hause. Ich entschied mich für Paris, weil es die günstigste Option war. Meine Familie ist nicht reich! Um die Reise bezahlen zu können, backten und verkauften wir Zitronentorten und veräußerten verschiedene Habseligkeiten.

Angel

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