Saintes 2025 (Frankreich)

David Théodoridès: „Zeigen, dass die Alte Musik nicht erstarrt ist” 

→Für seine 54. Edition präsentiert sich das Festival von Saintes in bester Verfassung und setzt seine Innovationen fort 

David Théodoridès: „Zeigen, dass die Alte Musik nicht erstarrt ist” 
Festival de Saintes © Mathieu Martines

Es war eines der ersten Festivals für Alte Musik in Frankreich — und das 1972 gegründete Festival de Saintes ist noch stets innovativ. David Théodorides, seit 2023 der Direktor, und die künstlerische Leiterin Ophélie Gaillard beweisen dies erneut mit einigen Höhepunkten in der Edition 2025. 

Wie läuft es heute in Saintes, im aktuellen Kontext? 

David Théodoridès: Ich finde, dass es in Saintes gut läuft. Sogar besser, als man sich vorstellen würde. Seit 2023 haben wir unsere Arbeitsweise weiterentwickelt und praktizieren eine rotierende künstlerische Leitung, die jeweils aktiven Künstlern anvertraut wird. Hervé Niquet war der erste, der sich für die Ausgaben 2023 und 2024 zur Verfügung stellte. Ihm folgte Ophélie Gaillard, Leiterin des Ensembles Pulcinella, das eine Referenz in der Interpretation auf historischen Instrumenten ist. 

Diese Veränderung ist mehr als nur eine organisatorische Anpassung: Sie ist ein neuer Impuls, der es dem Festival ermöglicht, sich zu erneuern, ohne seine Identität zu verleugnen.

Festival de Saintes © Marion Bertin

Jeder künstlerische Leiter bringt seine eigene Note und Sensibilität ein. Auf diese Weise spiegeln wir die Vielfalt der aktuellen europäischen Barockszene wider, betonen aber auch unseren festlichen Charakter. Ja, festlich im wahrsten Sinne des Wortes: ein Moment des Austauschs, der Begeisterung, der Neugier. Und das tut gut. Vor allem nach den Covid-Jahren, die die Dynamik ernsthaft beeinträchtigt haben. Wir haben gesehen, wie das Publikum weniger wurde, zweifelte, zögerte. Dank unserer Öffnung ist es uns aber gelungen, diejenigen zurückzugewinnen, die uns ein wenig verlassen hatten, und auch neue Zuhörer zu bekommen. Wir spüren ein starkes Verlangen des Publikums, diesen Durst, die Musik in ihrer lebendigen, unmittelbaren, kollektiven Dimension wiederzufinden. Und die Zahlen bestätigen das: Die Besucherzahlen sind deutlich gestiegen, und man spürt, dass sich etwas neu aufbaut. 

Unterstützen die lokalen Behörden Sie weiterhin in ökonomischer Hinsicht? 

D.T: Wir wollen uns nichts vormachen: Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Das Departement Charente-Maritime — das zahlungsunfähig ist — musste wie viele andere Gemeinden seine Hilfen kürzen. Das hatte Auswirkungen auf das gesamte Vereinswesen, einschließlich des Kultur- und Sportbereichs. Natürlich betrifft uns das auch. Das Festival, aber auch die Abbaye aux Dames als Ganzes, das Kulturzentrum und alle damit verbundenen Aktivitäten. 

David Théodoridès, Festival de Saintes © Marion Bertin

Aber in dieser üblen Lage muss man auch die guten Nachrichten hervorheben: Die Region Nouvelle-Aquitaine und der Staat immerhin unterstützen uns weiterhin auf einem konstanten Niveau, und das ist sehr wichtig, damit wir im Gleichgewicht bleiben. Und ich will auch die Treue unserer privaten Partner würdigen, seien es lokale Wirtschaftsakteure, große Stiftungen oder einzelne Mäzene. Diese Unterstützung ist lebenswichtig! Und sie ist der Beweis dafür, dass dieses Festival als Gewinn für die Region angesehen wird, als Instrument der Ausstrahlung, des Zusammenhalts, als Ort der Begegnung rund um eine Musik, die anspruchsvoll und zugänglich zugleich ist. 

Also, wir beißen die Zähne zusammen, ja, aber wir machen weiter. Denn was uns antreibt, ist diese Mission: eine bestimmte Vorstellung von Musik, von Teilen, von Zuhören, von Begegnung zu vermitteln. Und das ist stärker als alles andere. 

Angel

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