Barockopern in Berlin, Chicago, Wien, Zürich – und Bach in Budapest

→Von „Belshazzar“ in Berlin über eine selten gespielte „Semele“ von Hasse in Chicago, von „Scylla et Glaucus“ in Zürich bis zu „Alessandro nell’Indie“ in Wien – und schließlich einer Bach-Trilogie in Budapest: Diese jüngsten Produktionen präsentieren selten aufgeführte Werke, markante szenische Lesarten und einige zentrale Meilensteine des Repertoires.

Barockopern in Berlin, Chicago, Wien, Zürich – und Bach in Budapest
© Jan Windszus

Berlin: Belshazzar von Händel an der Komischen Oper

Die Komische Oper Berlin zeigte eine Neuproduktion von Belshazzar, dem vergleichsweise wenig bekannten Oratorium, das George Frideric Handel 1744 komponierte. Regie führte Herbert Fritsch, die musikalische Leitung lag bei George Petrou. Das Werk schildert den Untergang des babylonischen Reiches und versteht sich als Reflexion über die Fragilität von Imperien. Dabei ergeben sich bemerkenswerte Parallelen zur Gegenwart, wie das Opernhaus hervorhebt: „Rüpel an der Macht sind wieder en vogue und haben das Sagen. Dieser Typ Mensch räumt auf, wirft alles um, ergreift radikale Maßnahmen, plündert – und fühlt sich dabei großartig, jung und lustvoll zerstörerisch. Auch König Belshazzar war ein solcher Rüpel, ein monströser Herrscher des Alten Orients zur biblischen Zeit …“

Mit Robert Murray, Soraya Mafi, Susan Zarrabi, Ray Chenez, Philipp Meierhöfer, Orchester der Komischen Oper Berlin,Vocalconsort Berlin und George Petrou.

© Elliot Mandel

Chicago: US-Erstaufführung von Semele von Hasse

In Chicago eröffnete die Haymarket Opera Company ihre Saison mit der amerikanischen Erstaufführung von Semele, der Oper von Johann Adolph Hasse. Grundlage dieser Produktion war eine eigens für das Projekt erarbeitete Edition der Partitur, basierend auf dem einzigen erhaltenen Manuskript in der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Die Inszenierung spiegelt das kontinuierliche Engagement des Ensembles wider, selten gespielte Werke des 17. und 18. Jahrhunderts zu erschließen – nach Marc’Antonio e Cleopatra desselben Komponisten im Jahr 2023.

Mit Emily Birsan, Elizabeth DeShong, Karina Gauvin, Haymarket Opera Orchestra und Craig Trompeter.

© Monika Rittershaus

Zürich: Scylla et Glaucus von Leclair

Das Festival Zürich Baroque präsentierte Scylla et Glaucus, die einzige tragédie lyrique von Jean-Marie Leclair aus dem Jahr 1746. Das Werk, dessen Libretto auf Ovids Metamorphosen basiert und das nur selten auf die Bühne kommt, wurde von Regisseur Claus Guth in ein zeitgenössisches Setting verlegt – in ein Gymnasium mit dem Namen Jean-Marie Leclair.

Mit Elsa Benoit, Anthony Gregory, Chiara Skerath, Gwendoline Blondeel, Le Concert d’Astrée und Emmanuelle Haïm.

© Marco Sommer

Wien: Alessandro nell’Indie von Leonardo Vinci

In Wien zeigte das Theater an der Wien in Koproduktion mit dem Bayreuth Baroque Festival die Oper Alessandro nell’Indie von Leonardo Vinci, die 1730 in Rom uraufgeführt wurde. In der Inszenierung von Max Emanuel Cenčić wird Alexanders Feldzug nach Indien erzählt: Er verliebt sich in Königin Cleophide, die bereits dem von ihm besiegten König Poros versprochen ist. Daraus entsteht ein Drama aus Liebe, Intrigen, Eifersucht und Verzicht, getragen von einem Ensemble aus Sopranen und Countertenören.

Mit Dennis Orellana, Bruno de Sá, Jake Arditti, Maayan Licht, Stefan Sbonnik, Nicholas Tamagna, Arnold Schoenberg Chor, {oh!} Orkiestra und Martyna Pastuszka.

© Attila Nagy

Budapest: Constellation, John Eliot Gardiner und eine Bach-Trilogie

Das Ensemble und der Chor Constellation unter der Leitung von John Eliot Gardiner gastierten im Müpa Budapest – nach Stationen in Athen und Versailles und vor weiteren Konzerten in Wien, Heidelberg und Udine – mit einer Bach-Trilogie: den Kantaten BWV 34 und 6 sowie dem Osteroratorium.

Mit Hilary Cronin, Eline Welle, Jonathan Hanley, Jack Comerford, Constellation Choir & Orchestra und John Eliot Gardiner.