Die Geschichte eines sehr katholischen Cembalos 3/3

Aus Rom nach Schloss Homburg am Main

→Die jahrelangen Forschungen nach den Ursprüngen eines historischen Instruments führen schließlich zu einem höchst überraschenden und sensationellen Ergebnis!

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Aus Rom nach Schloss Homburg am Main
© Michael Günther

Nachdem der Cembalist, Fortepianist und Instrumentensammler und -forscher Michael Günther auf einer Auktion in Belgien 1994 ein altes Cembalo ersteigert hatte, begann für ihn das Forschen nach den Ursprüngen des Instruments — das sich über 15 Jahre erstreckte. Am Ende waren es zufällige Begegnungen und kleinste Informationsschnipsel, die zum sensationellen Ergebnis seiner Suche führten … 

Mein Cembalo war also einstmals Teil der Instrumentensammlung Marcel Salomons gewesen — soviel wusste ich nun. Aber wie bedeutend dieser Mann für die Wiederbelebung des Cembalospiels und das Aufkommen der historischen Aufführungspraxis im 20. Jahrhundert gewesen war, das wurde mir erst jetzt klar. 

Eine Schlüsselfigur bei der Wiederbelebung historischer Instrumente 

Als Musiker und später als Antiquitätenhändler spielte Marcel Salomon (1888–1973) bei der Wiederbelebung des Cembalos eine Rolle, die mir bis dahin in ihrer Bedeutung überhaupt nicht bewusst gewesen war: Zwischen den Jahren 1912 und 1969 baute er mit seinem Bruder Albert eine Sammlung auf, die berühmteste Cembali und Fortepianos umfasste.  

In einem Interview in der Zeitschrift Panorama Instrumentale vom Dezember 1971 gab Marcel Salomon selbst Einblick in sein Leben: Mit 15 Jahren konnte er in einem Antiquitätengeschäft einem Harmonium aus dem Empire nicht widerstehen, es wurde für fünfzig Francs, seine gesamten Ersparnisse, das erste Instrument seiner Sammlung. Die Sammlung wuchs rasant, und „das Zimmer, das ich im Haus meiner Eltern bewohnte, wurde für mich zu einem Museum“, sagt er da, und weiter: „Im Jahr 1911 übernahm ich ein Geschäft in Saint-Germain-en-Laye, das ein Antiquitätenhändler, der sein Geschäft aufgab, an einen meiner Onkel verkauft hatte. Dieses Geschäft (ziemlich groß) hatte das Schild: „Au Berceau Royal“ [„An der königlichen Wiege“]. Ich hatte die Idee, alle meine Instrumente in einem der Räume meines Ladens auszustellen und ihn zu einem Musikzimmer zu machen. Angesichts des Erfolgs, den ich recht schnell erzielte, verkaufte ich alle meine musikalischen Entdeckungen – das ermutigte mich, alte, oft interessante Musikinstrumente mit Tasten oder Saiten zu suchen und zu entdecken.“ 

Marcel Salomon © DR
Angel

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