Im Jahr 1994 ersteigerte der Cembalist, Fortepianist und Instrumentensammler und -forscher Michael Günther auf einer Auktion in Belgien relativ spontan ein altes Cembalo. Er ahnte nicht, wie lange er in der Folge würde suchen und forschen müssen, um herauszufinden, woher dieses Instrument kam und wer es gebaut hatte. Hier erzählt er die Geschichte dieser Suche, die sich in Teilen wie ein Krimi liest …
Ein Besuch im Deutschen Museum in München bei Hubert Henkel († 2013) erbrachte die Bestätigung, dass die ältesten elementaren Teile meines Instruments in das 17. Jahrhundert gehören. Ohne Frage wurde der Umfang später, wie von Nicomede Agati 1815 vermerkt, nach oben erweitert. Henkel meinte, bei der Qualität des Instruments sollte man erwarten, mit etwas Glück mindestens ein weiteres Instrument des selben „Cembalaro“ zu finden, das bei einer möglichen Restaurierung helfen könnte. Meine vorsichtige Frage: „Meinen Sie, dass eine Restaurierung sinnvoll und zu verantworten ist?“ haben wir ausgiebig besprochen. Schon damals wurde die Frage diskutiert, ob antike Cembali überhaupt restauriert werden sollten, oder nur konserviert, um in alle Zukunft das Instrument als Dokument zu erhalten.
Restaurieren — oder nur konservieren?
Dass Restaurierungen nur mit reversiblen Eingriffen geschehen sollten, war selbstverständlich, aber kann das auch immer garantiert werden? Und wenn ein Cembalo wiederhergestellt werden soll, in welchen Zustand dann bitte? In den ursprünglichen, den vom Erbauer beabsichtigten, oder in einen der späteren Zustände?
Weit verbreitet war schon damals: Im letzten Zustand konservieren, damit alle früheren erhalten bleiben. Wir dachten auch, dass mein Instrument vielleicht bessere Chancen hätte, die nächsten Jahrhunderte zu überleben, wenn es sorgfältig restauriert wäre und gespielt würde, als wenn es in diversen Kisten verpackt durch Umzüge, Erbschaften, Verkäufe etcetera. ein gefährliches, unruhiges Leben hätte. Und haben nicht auch der Klang und die Spieleigenschaften ein Recht, studiert zu werden?
Ein Resümee war, dass die Frage nach Konservierung oder Restaurierung immer am Einzelfall eines Instruments nach nüchterner Untersuchung zu überlegen ist.
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