„Aroma di Roma“ mit Sandrine Piau und Les Talens Lyriques

→Im Kerzenschein der Kirche St. Georgen , im Rahmen des Festivals Bayreuth Baroque, erkunden Sandrine Piau, Christophe Rousset und Les Talens Lyriques die weltlichen Leidenschaften des barocken Rom. Von Händel über Domenico Scarlatti bis Montéclair verleihen drei Heldinnen – Agrippina, Dido und Lucretia – verratener Liebe, Zorn und Verzweiflung eine Stimme: in Kantaten, in denen das Theater ganz ohne Bühnenbild und Inszenierung entsteht.

„Aroma di Roma“ mit Sandrine Piau und Les Talens Lyriques

Die im September 2024 beim Bayreuth Baroque Festival aufgezeichnete Produktion Aroma di Roma führt weit weg vom Bild der Ewigen Stadt als einem Ort, der ausschließlich der geistlichen Musik gewidmet war. Im Rom des 17. und 18. Jahrhunderts, wo Frauen nicht auf öffentlichen Bühnen auftreten durften, entwickelte sich die weltliche Kantate zu einem regelrechten dramatischen Experimentierfeld: zu einem Kammertheater für die Paläste des Adels, das die ganze Intensität einer Oper in wenigen Rezitativen und Arien bündeln konnte.

Rom: Theater ohne Bühne

Der Widerspruch ist frappierend. Während Theater- und Opernaufführungen im Kirchenstaat regelmäßig verboten oder streng kontrolliert wurden, zog Rom Komponisten, Virtuosen und Mäzene aus ganz Europa an. Ohne öffentliche Bühne verlagerte sich das Theater in Salons und fürstliche Residenzen. Dort fand die Kantate besonders fruchtbaren Boden: Eine Sängerin oder ein Sänger, wenige Instrumente – und innerhalb weniger Minuten entfaltet sich ein ganzes Drama.

Aroma di Roma vereint drei Werke, in deren Mittelpunkt Frauen stehen, die mit Verlust, Verrat oder Tod konfrontiert sind. In Agrippina condotta a morire verwandelt der junge Händel Agrippinas letzte Augenblicke in eine Folge psychologischer Wendungen. Domenico Scarlatti stürzt Dido in Tinte a note di sangue in einen beinahe halluzinatorischen Schmerz. Michel Pignolet de Montéclair wiederum bedient sich der italienischen Sprache und des italienischen Stils, um Lucretias letzte Qualen hörbar zu machen.

Sandrine Piau und Christophe Rousset

Aroma di Roma setzt die jahrzehntelange Zusammenarbeit von Sandrine Piau, Christophe Rousset und Les Talens Lyriques fort. Der Cembalist und Dirigent begleitet die Sängerin hier mit größter Aufmerksamkeit für jedes Wort und jeden Atemzug, während das Ensemble aus der kleinen Besetzung eine regelrechte Klangbühne entstehen lässt. Die Instrumentalstimmen kommentieren, entfachen oder verlängern die Gefühle der Heldin, ohne sich je auf eine bloße Begleitfunktion zu beschränken.

In der nächtlichen, von Kerzen erleuchteten Atmosphäre der Kirche St. Georgen gewinnt diese Nähe eine besondere Intensität. Ohne Kostüme und Bühnenmaschinerie lässt allein die Musik Paläste, Gemächer, Gräber und Schlachtfelder vor dem inneren Auge entstehen. Eine Reise in die intimste, sinnlichste und tragischste Seite des barocken Rom.

Angel

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