Mit nur 28 Jahren ist Sergio Bucheli Sololautenist des Orchestra of the Age of Enlightenment und von The English Concert und tritt regelmäßig mit dem Irish Baroque Orchestra und dem Ensemble Marsyas Baroque auf. Der 1998 in Mexiko geborene Musiker besuchte dank eines von den Rolling Stones (!) finanzierten Stipendiums die Yehudi Menuhin School, ein spezialisiertes Musikinternat, bevor er an der Royal Academy of Music in London Laute, Theorbe und Barockgitarre studierte und anschließend am Programm „New Ensemblists“ von Arcangelo teilnahm. Als Liebhaber ungewöhnlicher Musikprojekte arbeitet er außerdem mit dem Ensemble FIGURE und dem Bratschisten Lawrence Power beim West Wycombe Chamber Music Festival zusammen und tritt häufig im Duo mit den Sopranistinnen Ruby Hughes und Georgia Burashko sowie mit dem Countertenor Tim Mead auf. Als leidenschaftlicher Teetrinker und Verehrer von Virginia Woolf erzählt er uns von seiner Ankunft in England, seiner ersten Theorbe und dem Tag, an dem er sich die Fingernägel abschnitt, um nicht mehr Gitarre spielen zu können.
Wie sind Sie Musiker geworden?
Sergio Bucheli: Meine Familie ist überhaupt nicht musikalisch. Meine Mutter ist ausgebildete Architektin, mein Vater Bauingenieur. Kennengelernt haben sie sich also im Kurs „Stahlbeton“. Ich habe zwei ältere Brüder, und der mittlere spielte viel Gitarre. Als ich klein war, war er eine große Inspirationsquelle für mich. Mit etwa sieben Jahren habe ich angefangen, Gitarre zu spielen, einfach weil er es tat. Wir teilten uns ein Zimmer, und ich zupfte an den leeren Saiten des Instruments, das auf seinem Ständer stand. Meine Mutter hat das wohl bemerkt und mich für ein paar Unterrichtsstunden angemeldet. Es war nur zum Spaß gedacht, aber schon bald war es nicht mehr ganz so beiläufig. Ich habe viel geübt. Dabei wusste ich gar nicht, dass ich klassische Gitarre spielte, ich hatte keinerlei Ahnung von Musikrichtungen. Schon im ersten Unterrichtsjahr kam Bach in mein Leben: Mein Lehrer spielte mir die Chaconne vor, und der Rest ist Geschichte!
Wo haben Sie studiert?
S. B.: Mit 13 Jahren habe ich ein Vorspiel für die Yehudi Menuhin School in England absolviert und bin dort sechs Jahre geblieben. Ich erhielt ein Stipendium, das von den Rolling Stones finanziert wurde. Da ich in Mexiko-Stadt aufgewachsen bin, hat mich die englische Landschaft sehr beeindruckt, sie war so friedlich. Meine Kindheit in Mexiko war eher einsam gewesen, und so war es für mich äußerst anregend, plötzlich in diese internationale Gruppe einzutauchen: Man brachte mir völlig andere Lebensweisen näher. Ich liebte es, lateinamerikanisches Repertoire zu spielen, aber dafür gab es an der Schule kaum Platz, und ich musste lernen, richtig Noten zu lesen und meine Technik zu verbessern. Ich würde gerne sagen, dass mein Spiel instinktiv war, in Wirklichkeit war es einfach wenig strukturiert. Wir waren ein paar Kinder aus, sagen wir mal, „normalen“ Verhältnissen, und dann fand ich mich plötzlich an einem Ort wieder, an dem all diese Musiker waren, die gefühlt schon vor ihrer Geburt geübt hatten und das absolute Gehör hatten … Am Anfang fühlte ich mich ein bisschen fehl am Platz. Ich habe ein zusätzliches Jahr an der Schule verbracht.
Ich wollte bei der Lautenistin Liz Kenny an der Royal Academy of Music in London studieren, denn ich spielte inzwischen ein neues Instrument. Schon sehr früh hatte ich ein Video gesehen, in dem sie im Sam Wanamaker Playhouse in London gemeinsam mit dem Regisseur Bill Barclay auftrat, der über ein Stück von Shakespeare sprach. Das war das Coolste, was ich je gesehen hatte: dieses Musikerleben rund um das Theater und diese außergewöhnlichen literarischen Werke. Ich dachte mir: „Ah ja, das möchte ich auch. Das ist ein Leben, das mich interessiert!“ Ich blieb sechs Jahre an der Royal Academy, erst im Grundstudium, dann im Aufbaustudium, und hatte die ganze Zeit über Liz als Lehrerin.
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