30 Jahre L’Orfeo Barockorchester

Leidenschaft für Rameau in Österreich

→Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des L’Orfeo Barockorchesters blicken die Gründerinnen Michi Gaigg und Carin van Heerden auf drei Jahrzehnte intensiver Entwicklung, künstlerischer Eigenständigkeit und passionierter Arbeit an Klang und Interpretation zurück. Das nach wie vor äußerst dynamische Ensemble gastiert vom 1. bis 9. August auf Schloss Greinburg (Österreich) mit „Sophia“, einer fiktiven Oper von Bach, in der Kantaten und Chöre mit künstlicher Intelligenz, Freiheit und unserer Vorstellung von Menschlichkeit in Dialog treten.

Leidenschaft für Rameau in Österreich
„Musikalisch gesehen haben wir durch die Arbeit an Rameau am meisten gelernt.“ © wali.pix

Vor dreißig Jahren gründeten Michi Gaigg und Carin van Heerden, beide Dozentinnen an der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz, das L’Orfeo Barockorchester. Inzwischen dirigiert Michi Gaigg das Ensemble vorwiegend, nachdem sie es lange Zeit als Erste Geigerin angeführt hatte. Aus der gemeinsamen Leidenschaft der beiden Musikerinnen für Bach, Rameau und die französische Musik erwuchs seinerzeit eines der prägendsten österreichischen Originalklangensembles. Im Gespräch erzählen die beiden Gründerinnen von künstlerischen Entdeckungen zwischen Barock und Frühromantik, von der steten Suche nach einem unverwechselbaren Klang, von den Herausforderungen als freies Orchester auf dem internationalen Parkett, insbesondere mit zwei Frauen an der Spitze, und von jenen Erfahrungen, die L’Orfeo über drei Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt haben.

Das L’Orfeo Barockorchester feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Hätten Sie damals, als Sie das Orchester gründeten, gedacht, dass Sie dieses Jubiläum jemals begehen würden?

C.v.H.: Ja, es war eine Entscheidung fürs Leben, dieses Orchester zu gründen. Wir haben damals wohl nicht konkret an 30 Jahre gedacht, aber der Gedanke an eine quasi lebenslange Verpflichtung war schon da.

Was war damals der Anlass für die Gründung des Orchesters?

M.G.: Naja, wir lernten uns ja an der Bruckner-Uni kennen und gründeten dort das Orchester, und wir beide liebten Rameau und die französische Musik. Das war damals eher außergewöhnlich, und eine schöne Übereinstimmung, da die meisten unserer Kollegen eher italienische Musik bevorzugten. Carin leitete damals die Bläserklassen Blockflöte und Oboe, während ich die Bratschen- und Geigenklassen unterrichtete, und wir hatten beide in der Zeit um 1996 sehr gute Klassen. Bei mir war außerdem gerade das L’Arpa-Festante-Projekt abgeschlossen gewesen, und mir war klar, dass das Leben mit Orchester zwar anstrengend, aber ohne Orchester traurig wäre. Und ich als Einzelkind wollte immer Teil einer Gruppe sein (lacht), und Carin hatte vor allem in ihrer Eigenschaft als Oboistin große Lust auf Orchester.

C.v.H.: Und wir waren beide von anderen Orten nach Linz gekommen und hatten festgestellt, dass hier einfach wenig los war — und in diesem stark katholisch geprägten Land eine Bachtradition völlig fehlte.

Angel

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