Sopranist und Countertenor Philipp Mathmann hält viele Bälle in der Luft: Neben seiner Karriere als Sänger ist er nämlich auch als Oberarzt für Phoniatrie und Pädaudiologie an der Uniklinik Münster tätig, dazu wirkt er als Dozent, ist politisch und ehrenamtlich aktiv, und hat nicht zuletzt auch noch ein intensives Familienleben. Hier lässt er uns in seinen zutiefst persönlichen Aufzeichnungen an seinem bunten und oft sehr anstrengenden Leben teilhaben.
6.–12. Oktober : Minden, Medizin und das Jonglieren der Lebensrollen
Montagmorgen um fünf Uhr geht es los Richtung Universitätsklinikum Minden, wo ich einige Spezialangebote im Bereich operativer und konservativer Stimmmedizin sowie der Versorgung von Kindern anbiete. Vor allem aber schließe ich dort aktuell auch meinen zweiten Facharzt im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ab. Eine ganze Woche verbringe ich in der Klinik dort: OPs, Spezialsprechstunden, eine Vorlesung über Schluckstörungen für Medizinstudierende im praktischen Jahr und ein 24-Stunden-Dienst. Medizinische Arbeit hat eine eigene Gravitation. Sie holt einen auf eine Weise ins Hier und Jetzt, durch die man in diesen Moment vergisst, dass man in seinem andren Leben auf Bühnen stehen und Kunst machen darf. Wenn ich Künstler bin, bin ich Künstler – wenn ich Arzt bin, bin ich Arzt. Ich habe über die Jahre gelernt, wie wichtig es ist, scharf zu trennen, wann ich mich in welcher Rolle befinde, um mich selbst und mein Umfeld nicht zu überfordern.
Nach Dienstschluss begebe ich mich dennoch natürlich jeden Abend in meinen Proberaum in Minden. Ich habe festgestellt, dass ich an jedem Ort, an dem ich regelmäßig arbeite, einen Raum brauche, in dem ich singen kann. Es ist ein logistisches Dreieck zwischen Münster, Minden und Berlin. Drei Räume. Drei Lebenswelten.
Ein Abendessen mit Freunden muss ich absagen. Programmstudium und Stimmaufbau für Berlin und Freiburg haben Vorrang. Disziplin ist kein Heldentum. Sie ist schlicht notwendig.
Leidenschaftlich an alter Musik interessiert und möchten Sie diesen nur für Abonnenten zugänglichen Artikel lesen?
Wenn Sie noch kein Abonnent sind, treten Sie der internationalen Total Baroque-Community bei. Abonnieren Sie hier ab 5,00€.
AbonnierenWenn Sie bereits Abonnent sind, melden Sie sich an.
Ich melde mich an



Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare abgeben zu können.
Anmelden