20 Jahre Collegium 1704 (Prag) 

Václav Luks: „Das ist das Projekt meines Lebens“

→Von der „Punkzeit“ der Anfänge bis zu den großen internationalen Bühnen: Collegium 1704 zieht seit zwanzig Jahren seine Spuren durch die Landschaft der Alten Musik. Sein Leiter, Václav Luks, erzählt die Geschichte des Orchesters. 

Václav Luks: „Das ist das Projekt meines Lebens“
Václav Luks © Collegium 1704

Collegium 1704, das tschechische Ensemble unter der Leitung seines Gründers Václav Luks, feiert sein 20-jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht der Komponist Jan Dismas Zelenka, der dem Orchester indirekt seinen Namen gab. Eine internationale Tournee und eine Doppelsaison in Prag und Dresden markieren das Jubiläum. 

Wie fühlt es sich für Sie an, dass Ihr Ensemble jetzt 20 Jahre alt wird und sozusagen erwachsen ist? 

Václav Luks: Für mich sind diese 20 Jahre vor allem ein Orientierungspunkt. Damals habe ich beschlossen, das schon existierende, aber eher unregelmäßig arbeitende Kammerensemble in ein festes Barockorchester umzuwandeln – und vor allem auch das Collegium Vocale zu gründen. In dem Moment habe ich mir gesagt: „Jetzt oder nie. Das wird das Projekt meines Lebens“. Es gibt zwar ältere Aufnahmen unter dem Namen Collegium 1704, aber 2005 war für uns der eigentliche Start. Das war auch die Zeit, in der wir das Bach-Prag-Projekt begonnen haben: Orchester und Chor wie Bruder und Schwester.

Wann haben Sie gewusst, dass Ihr Leben ganz der Musik gehören würde? 

V. L.: Sehr früh. Ich erinnere mich noch ganz gut daran: Mit elf habe ich im Unterricht Mozarts Eine kleine Nachtmusik gehört. Da war mir klar, dass ich Musik machen will. Solche Schlüsselmomente haben meinen Weg immer wieder bestimmt – meinen Aufbruch nach Basel oder die Gründung des Collegium 1704 zum Beispiel. Angefangen habe ich als Pianist und Hornist, habe in Pilsen studiert und im Orchester des Nationaltheaters gespielt. Nach dem Mauerfall ging ich nach Basel, um Cembalo an der Schola Cantorum zu studieren. Parallel habe ich Naturhorn bei der Akademie für Alte Musik Berlin gespielt. Und 2005 musste ich mich dann entscheiden: weitermachen als Musiker bei Akamus oder mein eigenes Ensemble gründen. Ab 2006 war die Entscheidung gefallen: Collegium 1704 sollte meine Priorität sein! 

Wie haben Sie die Anfänge des Collegium 1704 erlebt? 

V. L.: Das war ein Abenteuer! Am Anfang lebten wir nur von unserer Begeisterung. Viele Ensembles entstehen ja erst, wenn eine wirtschaftliche Basis gesichert ist. Bei uns war es genau umgekehrt: eine Idee, ein Risiko, das reine Chaos. Ich habe alles gemacht – Organisation, Finanzierung, Verwaltung. Das war unsere Punkzeit. Erst mit Veronika Hyksová, die 2006 dazu kam, hat das Ensemble auch wirtschaftlich eine gewisse Form bekommen. Aber ich hatte damals keine Vision für 20 Jahre im Voraus, mich interessierte immer nur der nächste Tag. Dass wir heute international auftreten, hätte ich mir nie träumen lassen! 

Angel

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