Tauchen Sie ein in eine seltene und faszinierende Musikwelt: die der skandinavischen Länder! Begleitet von wenig bekannten Instrumenten wie der schwedischen Nyckelharpa oder der norwegischen Hardingfele, enthüllen The Curious Bards auf dieser neuen Aufnahme Tänze und Lieder, die im 18. Jahrhundert komponiert wurden und aus vergessenen Manuskripten stammen. Drei Fragen an Alix Boivert.
Warum fiel die Wahl auf die skandinavischen Länder Norwegen und Schweden ?
Alix Boivert: Nach mehreren Jahren der Erforschung und Wiederentdeckung von irischer und schottischer Volksmusik des 18. Jahrhunderts erschien es uns nur natürlich, unser Untersuchungsfeld auf benachbarte Gebiete auszudehnen, in denen die musikalischen, kulturellen und sozialen Interaktionen ebenso reiche Spuren hinterlassen hatten. Wir haben uns daher für die Volksmusik aus Skandinavien, insbesondere aus Norwegen und Schweden, entschieden, deren Repertoire aus dem 18. Jahrhundert sehr viele unbekannte Schätze birgt. Diese Entscheidung entstand aus dem Wunsch, unseren Ansatz zu verbreitern und gleichzeitig dem Geist der europäischen Volksmusik treu zu bleiben, indem wir typische Klänge, Rhythmen und Tänze dieser Zeit erforschen. Die skandinavische Musik dieser Epoche ist aufgrund ihrer Vielfalt und der sich überschneidenden Einflüsse darin besonders faszinierend. Im 18. Jahrhundert lagen diese Länder im Schnittpunkt verschiedener europäischer Musikkulturen. Der diplomatische, kommerzielle und militärische Austausch sorgte für einen ständigen Musikfluss zwischen Skandinavien und den benachbarten Gebieten: Deutschland, Polen und natürlich den Ländern der Britischen Inseln. Diese kulturelle Mischung machte die Entstehung eines Repertoires möglich, das sowohl einzigartig als auch tief in alten Traditionen verwurzelt ist. Neben den äußeren Einflüssen besaß Skandinavien aber auch seine eigenen musikalischen Besonderheiten, die durch seine Geografie und Geschichte geprägt waren. Und wir haben uns für diese beiden Länder entschieden, weil sie so einen faszinierenden Einblick in ein Volks- und Tanzrepertoire bieten, das sowohl in einer gemeinsamen europäischen Tradition als auch in lokalen Besonderheiten wurzelt. Dadurch können wir unsere Perspektive auf die europäische Musik des 18. Jahrhunderts insgesamt erweitern.
Können Sie mehr über das unbekannte Repertoire und Ihre musikwissenschaftlichen Recherchen für diese CD erzählen?
A. B.: Unsere Arbeit an diesem Repertoire war ein wahres Abenteuer gründlicher Recherche, wir haben sehr viele Manuskripte und Notenhefte studiert, die oft unveröffentlicht oder schwer zugänglich waren. Wir haben also mehrere Jahre in Archiven, Bibliotheken und Museen gestöbert, um zeitgenössische Partituren und Transkriptionen zu finden, aber auch um die sozialen und kulturellen Kontexte zu verstehen, in denen diese Musik entstanden ist. Norwegen und Schweden sind reich an historischen Musikdokumenten, aber viele dieser Quellen sind noch nicht ausreichend erforscht. Sie enthalten Repertoires von Tänzen, Liedern und Salonmusik, in denen sich die gegenseitigen Einflüssen zwischen den verschiedenen Regionen Nord- und Osteuropas zeigen. Entsprechend haben wir eine große Vielfalt an Musikformen entdeckt: von Tänzen wie der Polonaise, die sich Ende des 16. Jahrhunderts in Skandinavien verbreitete, bis hin zu eher lokalen Melodien wie den norwegischen Springedans oder den schwedischen Märschen. Diese Musik wurde sowohl mündlich als auch schriftlich überliefert, und es ist dieser zweifache Ursprung, den wir zu rekonstruieren versucht haben, um besser zu verstehen, wie sich diese Volksweisen im Laufe der Zeit entwickelt haben. Die untersuchten Manuskripte enthalten auch eine beeindruckende Menge an Variationen und Abwandlungen bekannter Melodien. Darin zeigt sich der ständige Austausch zwischen den Musikern, die die Stücke oft an ihre eigenen Stile oder Instrumente anpassten. So wurde beispielsweise die Polonaise, die, wie der Name schon sagt, aus Polen stammt, in den skandinavischen Regionen mehrfach verändert, wodurch Varianten entstanden, die zu einem festen Bestandteil der lokalen Musikkultur wurden. Aber unsere Neuinterpretation war nicht auf das Studium der Partituren beschränkt. Wir wollten auch die Prozesse verstehen, durch die diese Musik weitergegeben wurde, und wie sie sich durch soziale, politische und kulturelle Veränderungen wandelte. Skandinavische Volksmusik war oft mit Ereignissen des täglichen Lebens verbunden, wie Hochzeiten, Festen oder auch militärischen Versammlungen. Tanzmelodien, Märsche und Lieder waren unverzichtbare Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens, und es ist diese enge Verbindung zur Volkskultur, die wir mit dieser Aufnahme wiedergeben wollen.
In wenigen Worten: die besonderen Instrumente, die verwendet wurden?
A. B.: Einer der wichtigsten Aspekte dieses Projekts ist die Verwendung historischer Instrumente, die für die Wieder-Erschaffung des spezifischen Klangs der skandinavischen Musik des 18. Jahrhunderts so wichtig sind. Wir hatten das Glück, mit zwei besonders seltenen und charakteristischen Instrumenten arbeiten zu können: der Hardingfele und der Kontrabasharpa. Diese Instrumente sind nicht nur für die originalgetreue Interpretation dieses Repertoires unerlässlich, sondern geben der Musik auch eine ganz einzigartige Klangdimension. Die Hardingfele ist eine norwegische Geige mit [1] Resonanzsaiten, das heißt Saiten, die durch die Vibrationen der Hauptsaiten zum Klingen gebracht werden. Dieses ein bisschen mysteriös und zugleich betörend klingende Instrument ist das wichtigste in der norwegischen Volksmusik. Es zeichnet sich durch seinen vollen Klang aus, der die Klarheit der Violine mit der Schwingung dieser Resonanzsaiten verbindet und so einen einzigartigen akustischen Effekt erzeugt. Unser Instrument wurde von Ottar Kåsa nach einem Modell von Trond Botnen aus dem 18. Jahrhundert gebaut. Die Kontrabasharpa hingegen ist ein noch weniger bekanntes, aber ebenso attraktives Instrument. Sie ist ein Vorläufer der Nyckelharpa, einem gestrichenen Instrument mit Tasten, die auf die Saiten drücken. Dieses Modell aus dem 18. Jahrhundert hat eine Tastatur, die zwei Melodiesaiten gleichzeitig betätigt und so eine sehr dichte Klangstruktur erzeugt. Das Instrument wurde von dem Geigenbauer Jean-Claude Condi speziell für dieses Projekt rekonstruiert, indem er ein Modell kopierte, das im Musée de la Musique in Paris gezeigt wird. Ihr tiefer, resonanter Klang, der durch die Resonanzsaiten noch verstärkt wird, macht die Kontrabasharpa zu einem faszinierend klingenden Instrument. Diese Instrumente sind mehr als nur musikalische Werkzeuge; sie sind Sprachrohre der musikalischen Geschichte Norwegens und Schwedens und wir können durch ihre Klänge eine pulsierende Zeit und Kultur vermitteln.



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