Ein barocker Opernsommer (6/7)

„Rodelinda“ mit Jeanine de Bique und Jakub Józef Orliński

→An der Opéra de Lille entfaltet Händels „Rodelinda“ in einer Inszenierung von Jean Bellorini und unter der musikalischen Leitung von Emmanuelle Haïm an der Spitze von Le Concert d’Astrée ihre ganze dramatische Kraft. Ein intensives Barockdrama, das im Streaming zu entdecken ist.

1725 in London uraufgeführt, zählt Rodelinda zu den dramatischsten Opern Händels. In seiner Inszenierung an der Opéra de Lille 2018 wählt der französische Regisseur Jean Bellorini eine Perspektive aus der Sicht eines Kindes, getragen von einem im Barockrepertoire erfahrenen Ensemble und der musikalischen Leitung von Emmanuelle Haïm mit Le Concert d’Astrée, in der der Basso continuo zu einer eigentlichen Triebkraft des Theaters wird.

Rodelinda, das Theater der Macht

Rodelinda wurde 1725 in London uraufgeführt und gehört zu den spannungsvollsten Opern Händels, ein Thron­drama, in dem das Private politisch wird. Das Libretto von Nicola Francesco Haym nach Corneille und Antonio Salvi stellt die Königin vor die Erpressung des Usurpators Grimoaldo, bereit, alles zu tun, um ihren Sohn zu retten. In Lille lässt Jean Bellorini die Handlung durch den Blick eines Kindes verlaufen, den stillen Motor einer Geschichte von Verrat, Wiederkehr und Vergebung.

Eine im Barockrepertoire erfahrene Besetzung

Die Produktion in Lille vereint eine Besetzung, die eng mit dem Händel-Repertoire verbunden ist und dramatische Präsenz mit Präzision der Gesangslinie verbindet. Jeanine De Bique verkörpert Rodelinda, an ihrer Seite Tim Mead als Bertarido, Benjamin Hulett als Grimoaldo, Avery Amereau als Eduige, Jakub Józef Orliński als Unolfo und Andrea Mastroni als Garibaldo.

Der Continuo als dramaturgisches Prinzip

An der Spitze von Le Concert d’Astrée hebt Emmanuelle Haïm, die zugleich am Cembalo spielt, die dramaturgische Rolle des Continuo hervor, eines zentralen Elements der Barockoper. Für diese Produktion begleiten fünf Instrumente die Sänger je nach Szene in wechselnden Kombinationen: zwei Cembali, eine Laute, ein Violoncello und ein Kontrabass. In zwei Gruppen organisiert, antworten sie einander und formieren sich je nach Figuren und Affekten neu. Manche Szenen bevorzugen eine intime Klangfarbe, andere eine dichtere Struktur. So erhalten die Rezitative große Beweglichkeit und der Continuo wird zu einem eigentlichen Partner des Bühnengeschehens.


Programm

🎼 Georg Friedrich Händel (1685-1759):
Rodelinda, HWV 19, Oper in drei Akten nach einem Libretto von Nicola Francesco Haym

Orchester: Le Concert d’Astrée
Musikalische Leitung und Cembalo: Emmanuelle Haïm
Inszenierung: Jean Bellorini

Mitwirkende:

An der Opéra de Lille, Oktober 2018.

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