Die „ Resonanzen “ in Wien sind seit 1993 eines der wichtigsten Festivals für Alte Musik in Österreich. Organisiert vom Wiener Konzerthaus, finden sie jedes Jahr im Januar kompakt an neun Tagen statt. Die Konzerte konzentrieren sich auf das alte Jugendstilgebäude mit seinen klaren Formen, einer Prunktreppe und einer durchaus üppig-goldenen Innenausstattung. Das erste und das letzte Konzert des Festivals finden immer im großen Saal statt und werden vom Österreichischen Rundfunk live übertragen. Die anderen belegen den Mozart- oder in Kammermusikdimension den Schubertsaal. Die 34. Ausgabe unter dem Motto „Frauen“ ging gerade überaus erfolgreich zu Ende. Ein Gespräch mit Peter Reichelt, dem künstlerischen Leiter der Resonanzen.
Sie waren Dramaturg und künstlerischer Berater des Festivals und sind inzwischen der künstlerische Leiter der Resonanzen… Als gebürtiger Wiener bekommt man mit, was in der Stadt passiert, auch mit einem solchen Festival. Kann man nach all den Jahren von einer Philosophie des Festivals sprechen, oder erfindet sich das Festival mit jeder Ausgabe wieder neu?
Peter Reichelt: Beides ist sicher richtig. Jedes Jahr muss man sich neu erfinden. Es muss ja jedes Jahr neu attraktiv sein, kohärent und stimmig. Und wenn man ein Mottofestival ist, wie wir das sind, ist das ein Schwerpunkt der dramaturgischen Gestaltung. Man darf nicht müde werden! Heuer ist uns das wohl besonders gelungen. Die Reaktionen gehen in diese Richtung. Ich führe das ja auf das Motto des diesjährigen Festivals zurück. Die Frauen! (schmunzelt) Die ganze Szene der Alten Musik hat sich seit 1993 natürlich verändert. Wenn es jetzt auch nicht unbedingt ein Konkurrenzfestival gibt, so gibt es aber das Theater an der Wien, das seit etlichen Jahren eine starke Konkurrenz ist…
…weil es Barockopern spielt, also Alte Musik?
P. R.: Ja, das Theater an der Wien macht konzertant und szenisch viel Barockoper. Das ganze Jahr über. Das ist nicht zu vernachlässigen. Dann ist das Publikum mit dem Festival auch gealtert. Teilweise kommt neues dazu. Es gibt die Hardcore-AbonnentInnen und neues Publikum. Insofern müssen wir uns nicht nur in der inhaltlichen Dramaturgie jedes Jahr neu erfinden, sondern uns insgesamt den Zeitströmungen anpassen und diesen thematisch zum Beispiel entgegenkommen. Das ist auch mein Anspruch, nämlich möglichst viel Kontext hineinzubringen. Historisches mit der Gegenwart verknüpfen. Wir brauchen die Resonanz der Themen in der Gegenwart, das ist eigentlich das Ziel. Und dadurch werden die Programme attraktiv. Sie müssen nicht schön sein, was mir widerstrebt, das Publikum zu bedienen, damit es sich einlullt und sagt: „Das war aber schön!“

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