Der aus Savoyen stammende Cembalist Loris Barrucand wurde am Pariser Conservatoire (CNSMD) bei Olivier Baumont und Blandine Rannou ausgebildet. Heute ist er auf den großen europäischen Barockbühnen zu Hause. Als Mitglied der Ensembles Les Talens Lyriques, Le Concert Spirituel, Le Poème Harmonique und La Tempête sowie als Gründungsmitglied des mit einem Diapason d’or ausgezeichneten Ensembles Sarbacanes widmet er sich seit mehreren Jahren gemeinsam mit Clément Geoffroy dem Repertoire für zwei Cembali. In „Éclats et derniers feux“ wendet er sich Jacques Duphly zu, einem gefragten Cembalisten im Paris der Aufklärung, der heute teilweise aus der Musikgeschichte verschwunden ist. Als „zerbrochener Spiegel“ angelegt, offenbart diese Anthologie die vielfältigen Facetten einer raffinierten, brillanten und zarten Kunst, zu einer Zeit, da das Cembalo, bald vom Pianoforte verdrängt, seinen letzten Glanz verströmt.
Ihre CD ist ganz Jacques Duphly gewidmet, einem heute relativ unbekannten Cembalisten. Was hat Sie dazu bewogen, diese Persönlichkeit ins Rampenlicht zu rücken, und welchen Platz nimmt er Ihrer Meinung nach in der Geschichte des Cembalos ein?
Loris Barrucand: Die Musik von Duphly war schon immer Teil meines Lebens! In Annecy ließ uns mein erster Cembalo-Lehrer regelmäßig einfache Stücke dieses unbekannten Komponisten spielen. Für einen Anfänger war das ein hervorragendes Übungsfeld, denn selbst die einfachen Stücke verlangten einen sorgfältigen Anschlag, die korrekte Gestaltung der Verzierungen und die Suche nach jenem geheimnisvollen französischen „guten Geschmack“ … Man wurde direkt ins kalte Wasser geworfen! Als ich älter wurde, habe ich andere Horizonte erkundet, doch diese Musik ist in mir latent geblieben. Noch heute, wenn ich auf dem Cembalo improvisiere, ist es der Stil von Duphly, der mir am spontansten in den Sinn kommt. Da ich mein Instrument mit ihr gelernt habe, habe ich manchmal das Gefühl, dass diese Musik meine zweite Muttersprache ist! Was die CD angeht, so kam mir die Idee dazu vor drei Jahren. Meine Freundin, die Gambistin Louise Bouedo, hatte mir vorgeschlagen, sie bei der Aufnahme einiger für zwei Gamben transkribierter Stücke Duphlys zu begleiten. Vier Tage lang, die Kopfhörer auf den Ohren, hatte ich das Gefühl, diese Musik neu zu entdecken: ihre Raffinesse, ihre Vielfalt … Ich war tief bewegt! Als ich nach Hause kam, habe ich wie besessen alle meine Noten aus der Schulzeit wieder entziffert. „Éclats et derniers feux“ ist aus diesem Wiedersehen entstanden!
Sie sprechen im Booklet vom Bild eines „zerbrochenen Spiegels“, in dem jedes Stück eine Facette seines Werks widerspiegele. Was meinen Sie damit, und was verrät diese Anthologie über Duphlys musikalische Persönlichkeit?
L. B.: Diese Idee wurde von einer Passage des Schriftstellers Christian Bobin inspiriert, in der er die Wahrheit „mit einem zerbrochenen Spiegel vergleicht, von dem jede Scherbe den gesamten Himmel widerspiegelt„. Mir schien dies das perfekte Bild der Anthologie zu sein: eine Zusammenstellung unterschiedlicher Stücke, die, nebeneinandergestellt, die Wahrheit des Werks eines Komponisten wiedergeben. Ich habe nicht versucht, ein Porträt Duphlys zu zeichnen. Das wäre anmaßend gewesen, angesichts der wenigen Informationen, die uns über seinen Charakter vorliegen … Als Cembalolehrer und Komponist genoss er einen enormen Ruf. Dennoch scheint er mitten in der Zeit der Aufklärung eine ganz besondere Form der Zurückhaltung gepflegt zu haben. Auf dieser CD habe ich vor allem versucht, einen Eindruck von seinem Cembalo-Werk zu vermitteln, die repräsentativsten Stücke herauszusuchen und auch diejenigen, die mich am meisten angesprochen haben.

Ihre CD erkundet einen Wendepunkt, nämlich die „letzten Glanzzeiten“ des Cembalos (das bald größtenteils durch das Pianoforte verdrängt werden sollte), in denen sich eine musikalische Sprache zugleich zu vollenden und zu wandeln scheint. Was hat Sie an dieser Zeit des Umbruchs gereizt?
L. B.: Duphly wurde 1715 geboren, im Todesjahr Ludwigs XIV., und starb am 15. Juli 1789, am Tag nach dem Sturm auf die Bastille. Mit seinem Tod verschwindet gewissermaßen das gesamte Ancien Régime! In vielerlei Hinsicht zeugen sein Leben und seine Musik von einem Wandel gegenüber den Gepflogenheiten der Zeit. Während sich fast alle Cembalisten ein Einkommen an einer Pfarrkirche sicherten, gab Duphly die Orgel auf, um sich ausschließlich dem Cembalo und später dem Pianoforte zu widmen. Er war zudem kein Musiker, der dem Hof angehörte. Als unabhängiger „Cembalo-Meister“ unterrichtete er in Paris statt in Versailles. Er war sehr zurückhaltend, blieb unverheiratet und kündigt in gewisser Weise die Figur des einsamen, romantischen Künstlers an. Auch seine Cembalostücke sind von einer avantgardistischen Sensibilität geprägt: Man denke etwa an La De Drummond, das mit seiner „natürlichen“, leicht einprägsamen Melodie, untermalt von einer schlichten Begleitung, ein rousseauistisches Manifest darstellt. Ich weiß nicht, ob Duphly sich der großen Veränderungen seiner Zeit bewusst war, aber zumindest in ästhetischer Hinsicht haben seine Cembalostücke zur Entwicklung des Geschmacks beigetragen.
Wenn Sie ein Stück empfehlen müssten, welches würden Sie vorschlagen, um in die Welt dieser CD einzutauchen? Gibt es ein Stück, das Ihnen besonders am Herzen liegt, und warum?
L. B.: Ich glaube, „La Lanza“ ist ein schöner Einstieg in die Musik von Duphly! Es ist ein sehr kontrastreiches Stück, zugleich brillant und ein wenig nostalgisch … Eine ganz besondere Zuneigung habe ich auch für die „Courante in D„. Ich mag ihre etwas romantische, intensive und verschleierte Energie. Dieses Stück begleitet mich schon seit meiner Schulzeit, und ich muss zugeben, dass ich einfach nicht genug davon bekommen kann!
Um zu erkunden, was eine Reise in der Renaissance bedeutet, werde ich zunächst den Blickwinkel etwas erweitern: Nein, natürlich sind es nicht nur die Musiker, die sich in Europa bewegen! Diese Zeit ist sogar als die der großen Entdeckungen bekannt. Denken Sie nur einmal darüber nach: Bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts schickte der König von Portugal Schiffe aus, um die Küsten Westafrikas zu erkunden. Das Kap der Guten Hoffnung wurde 1488 erreicht. Wenige Jahre später gelangten die Portugiesen um Afrika herum nach Indien. Währenddessen erreichten die Spanier die Karibik und Mittelamerika, während die Portugiesen in Brasilien landeten. Und ich spreche hier nur von den Reisen der Europäer, denn viele arabische oder chinesische Reisende unternahmen zur gleichen Zeit ebenfalls Entdeckungsfahrten. All das, um zu sagen: Reisen lag damals in der Luft!



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