Das Duo Desandre-Dunford und die Lieder des Grand Siècle in Maguelone

→Beim Festival de Maguelone in Okzitanien (Frankreich) lassen Léa Desandre und Thomas Dunford mit dem Programm „Laissez durer la nuit“ ein reichhaltiges, wenn auch viel zu selten aufgeführtes Repertoire französischer Hoflieder des 17. Jahrhunderts wiederaufleben – in einer virtuosen Verschmelzung von Gesang und Theorbe.

Die Kathedrale von Maguelone taucht anlässlich eines Konzerts der Mezzosopranistin Léa Desandre und des Lautenisten Thomas Dunford im Rahmen des Festivals für Alte Musik von Maguelone in die musikalischen Farben des Grand Siècle. „Laissez durer la nuit“ lädt zu einer Reise durch ein lyrisches Repertoire ein, das die Nuancen des Herzens auf subtile Weise erkundet.

Ein wenig bekanntes französisches Repertoire

Das Duo hat sich für Arien aus dem Frankreich des 17. Jahrhunderts entschieden, die üblicherweise am Hof oder in den Salons von den namhaften Musikern ihrer Zeit vorgetragen wurden. Zu den Komponisten zählen Marc-Antoine Charpentier und Marin Marais, aber auch weniger bekannte Namen wie Michel Lambert, Sébastien Le Camus oder Honoré d’Ambruys. Dieses heute viel zu selten gespielte Repertoire ist reich an Liedern, die oft das Thema der Liebe und dessen breite emotionale Palette behandeln – mal leicht und bukolisch, mal dramatisch und melancholisch –, und es eignet sich wunderbar für die virtuosen Stimmfarben von Léa Desandre. Thomas Dunford begleitet Léa Desandre nicht nur, sondern glänzt auch als Solist auf der Theorbe in Instrumentalstücken von Robert de Visée, die das Konzert untermalen.

Das Programm unternimmt jedoch einige Ausflüge über die geografischen Grenzen Frankreichs hinaus, beispielsweise mit „Ombra mai fu“, der Eröffnungsarie aus Händels Oper „Serse“, und über die zeitlichen Grenzen hinweg: „Mes longs cheveux“ aus Debussys Oper „Pelléas et Mélisande“ und das überraschende „Dis-moi quand reviendras-tu?“ der Songwriterin Barbara eröffnen einen Blick auf das Erbe der Lieder des Grand Siècle im Wandel der Epochen.

Ein sich ergänzendes, virtuoses Duo

Die französisch-italienische Mezzosopranistin Léa Desandre, die bei den „Victoires de la Musique Classique“ 2017 als „Entdeckung des Jahres“ ausgezeichnet wurde und 2018 den Preis der öffentlich-rechtlichen französischsprachigen Medien für junge Solisten erhielt, gab ihr Debüt im renommierten „Jardin des Voix“ an der Seite von William Christie. Der Lautenist Thomas Dunford, der an der Schola Cantorum in Basel bei Hopkinson Smith ausgebildet wurde, ist in derselben musikalischen Familie zu Hause und wirkt nicht nur bei Les Arts Florissants mit, sondern auch in Ensembles wie Cappella Mediterranea, Le Concert Spirituel und Les Musiciens de Saint-Julien. Er hat sich zudem als Dirigent versucht und 2018 sein eigenes Ensemble Jupiter gegründet, das im folgenden Jahr eine erste, mehrfach ausgezeichnete CD mit Werken von Vivaldi veröffentlichte.


Das Programm

🎼 Michel Lambert (1610-1696)

Ma bergère est tendre et fidèle
Ombre de mon amant
Vos mépris chaque jour

🎼 Robert de Visée (1650-1725)
Gavotte in d-Moll
Chaconne in d-Moll
Prélude und Sarabande in d-Moll
Allemande „La Royale“
Rondeau „La mascarade“


🎼 Marc-Antoine Charpentier (1643-1704)
Celle qui fait tout mon tourment
Auprès du feu on fait l’amour
Tristes déserts, sombre retraite
Sans frayeur dans ce bois

🎼 Sébastien Le Camus (1610-1677)
On n’entend rien dans ce bocage
Laissez durer la nuit
Forêts solitaires

🎼 Marin Marais (1656-1728)
Les Voix Humaines

🎼 Honoré d’Ambruys
Le doux silence de nos bois

🎼 Marie-Joseph Déodat de Séverac (1872 – 1921)
Paysages tristes

🎼 Georg Friedrich Haendel (1685 – 1759)
Ombra mai fù (Serse)

🎼 Claude Debussy (1862 – 1918)
Mes longs cheveux (Pelléas et Mélisande)

🎼 Barbara (1930 – 1997)
Dis-moi quand reviendras-tu ?

In der Kathedrale von Maguelone, im Jahr 2019.