Junge Talente

La Capriola: Sie spielen Geige im Stehen! 

→Gehend und tanzend spielen: Die Capriola gibt den Geigengemahlinnen der Renaissance wieder Atem und Bewegung und erfindet mit Anmut eine für das heutige Publikum vergessene Praxis neu. 

La Capriola: Sie spielen Geige im Stehen! 
La Capriola: Dorine Lepeltier-Kovács, Sängerin Camille Fritsch, Charlotte Gerbitz, Manon Papasergio © Sarah Fristch

Das 2021 am Conservatoire national supérieur de musique et de danse de Lyon gegründete Consort La Capriola lässt die wenig bekannte Tradition der Renaissance-Violinenensembles wiederaufleben. Das Ensemble vereint Charlotte Gerbitz, Dorine Lepeltier-Kovács und Manon Papasergio, die unter anderem mit der Sängerin Camille Fritsch und verschiedenen Instrumentalistinnen und Instrumentalisten zusammenarbeiten. Dabei verbindet La Capriola musikwissenschaftliche und instrumentenkundliche Forschung, historische Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten und spartenübergreifende künstlerische Arbeit. Seit 2024 gehört das Ensemble dem europäischen Programm S-EEEMERGING+ an. 2025 gewann es beim Wettbewerb Première in Brüssel sowohl den Ersten Preis der Jury als auch den Publikumspreis sowie den Ersten Preis beim Wettbewerb Cadets en Scène in Paris. Nach dem Musiktheaterstück Harlou!, das 2024 beim Festival OFF d’Avignon uraufgeführt und 2025 erneut gezeigt wurde, setzt La Capriola seine Erkundung der Verbindungen zwischen Musik, Theater und humanistischem Denken fort. Das Debütalbum Sulla Piazza, das den Violinen von San Marco gewidmet ist, erscheint am 2. Oktober 2026 bei Ricercar.

Wie ist Ihr Ensemble entstanden?

Dorine Lepeltier-Kovács: Wir haben uns am CNSMD von Lyon kennengelernt – alle vier mit einer besonderen Zuneigung zur Musik der Renaissance. Manon Papasergio und ich waren in der Celloklasse, Charlotte Gerbitz und Juliette Ridel, die früher bei uns war, in der Violinklasse bei Odile Edouard. Wir haben verschiedene Besetzungen und Projekte ausprobiert, und 2021 haben wir uns dann etwas offizieller formiert.

Manon Papapsergio: Unsere Instrumente sind ja unterschiedlich groß. Das Violoncello ist eine Bassgeige, die in C gestimmt ist. Der Hauptunterschied ist: man spielt im Stehen.

Dorine L-K.: Als die Geigen damals für Adlige musizierten, durften die Musiker nicht sitzen. Und bei Prozessionen war Beweglichkeit natürlich besonders wichtig.

Und Ihr geht beim Spielen?

Manon P.: Und wir tanzen beim Spielen! Die Geige ist eben das Tanzinstrument schlechthin.

Dorine, Sie spielen die Tenorgeige. Wie nähert man sich einem Instrument, das heute weder gespielt noch unterrichtet wird?

Dorine L-K.: In mehreren Schritten: Zuerst spielt man ein Bassinstrument, das eine Quinte höher gestimmt ist, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Dann muss man ein eigenes Instrument bauen lassen: meines hat Jean-Paul Boury gefertigt, der schon zuvor ein ähnliches Instrument für das CNSMD de Lyon hergestellt hatte. Es ist eine kleine Celloform, etwa Dreiviertelgröße – wie bei Kinderinstrumenten.

Angel

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