Gli Angeli Genf

Stephan MacLeod: 20 Jahre Bach im Schuber

→Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens von Gli Angeli Genève zieht der Dirigent und künstlerische Leiter Stephan MacLeod Bilanz eines eigenen Weges innerhalb der europäischen Barockszene. Zwischen Genfer Verwurzelung, Anspruch auf Exzellenz und weit gespannter Repertoireerkundung markiert das Ensemble diesen Meilenstein mit einem Großereignis: der Veröffentlichung eines Schubers mit sämtlichen Bach-Kantaten, Ergebnis von nahezu fünfzehn Jahren Arbeit.

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Stephan MacLeod: 20 Jahre Bach im Schuber
“Ich bin fasziniert davon, was das Sakrale im Menschen auslöst!” © Carole Parodi

Als ausgebildeter Sänger nähert sich Stephan MacLeod der Barockmusik früh über die Stimme – ein Feld, auf dem er die expressive Kraft des geistlichen Repertoires ebenso entdeckt wie jene der großen deutschen vokalen Fresken. Aus seinen Jahren als Solist an der Seite bedeutender Dirigenten bewahrt er ein ausgeprägtes Gespür für Timbre, Stil und klangliche Architektur sowie eine ungebrochene musikwissenschaftliche Neugier. 2005 gründet er in Genf Gli Angeli Genève und vereint freie, engagierte Instrumentalisten und Sänger, offen für mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte. Sein Ziel: Bach möglichst nah am Atem der Musik lebendig werden zu lassen, die Linien zwischen früher Polyphonie und des Barock auszuloten und diese Werke mit einem Anspruch zu vermitteln, der Einfachheit und Menschlichkeit niemals ausschließt. Zwanzig Jahre später findet diese Suche einen spektakulären Höhepunkt in der Veröffentlichung der vollständigen Bach’schen Choralkantaten – ein Schlüsselprojekt eines Werdegangs, in dem Strenge, Intuition und kollektiver Geist stets Hand in Hand gehen.

Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens Ihres Ensembles: Welche Bilanz ziehen Sie – musikalisch wie menschlich?

Stephan MacLeod: Das Ensemble ist aus nahezu dem Nichts entstanden. Ich gehörte zu jenen, die weder über eine anfängliche finanzielle Absicherung noch über ein Mäzenennetzwerk verfügten. Sehr früh jedoch erhielt ich eine solide Unterstützung durch die Genfer Behörden. In der Schweiz liegt die Kulturhoheit bei Kantonen und Gemeinden; ein Kultusministerium gibt es nicht. Genf hat an unser Projekt geglaubt, das zunächst auf die Bach-Kantaten fokussiert war. Mir wurde schnell klar, dass ein langfristiges Programm entscheidend sein würde. Die Kantaten wurden wenig aufgeführt – sie wurden zu unserem roten Faden. In den ersten Jahren gaben wir drei Konzerte pro Jahr in Genf. Danach musste unsere Arbeit stärker verbreitet werden …

Wie verlief dieser Prozess?

S. M.: Unsere erste CD erregte die Aufmerksamkeit von Sony, die unsere beiden ersten Kantaten-Alben veröffentlichten, mit großem Erfolg 2007 und 2009. Der administrative Aufbau verlief langsamer. In der Schweiz ist es einfacher, Konzerte zu finanzieren als eine Struktur. Fünf bis sieben Jahre lang habe ich alles selbst gemacht: Verwaltung, Disposition, Logistik. Schritt für Schritt konnten wir Personal anstellen. Heute zählt das Ensemble knapp drei Vollzeitäquivalente und gibt jährlich rund dreißig Konzerte, in Genf und auf Tournee. Wir feiern zwanzig Jahre – und sind doch noch immer im Aufbau …

Angel

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