Seit mehr als dreißig Jahren steht Franck-Emmanuel Comte, Dirigent und Cembalist, an der Spitze von Le Concert de l’Hostel Dieu. Er ist ein unermüdlicher Grenzgänger zwischen Alter Musik und anderen Disziplinen, Ästhetiken und Erzählweisen. Seine Begegnungen mit dem Choreografen Mourad Merzouki, seine CD-Aufnahmen mit Sängerinnen wie Roberta Mameli, Sophie Junker oder demnächst Xavier Sabata haben sein Ensemble zu einem künstlerischen Labor gemacht, das dennoch den Grundlagen des Barock treu bleibt. Von seiner Heimatstadt Lyon bis auf die großen internationalen Bühnen steht das Ensemble für eine engagierte Musik, die fest in unserer Zeit verankert ist.
Wie würden Sie Le Concert de l’Hostel Dieu heute definieren?
Franck-Emmanuel Comte: Unser Ensemble lebt vom Experiment. Wir arbeiten an neuen Konzertformaten, an Schnittstellen, an Verflechtungen und an Interdisziplinarität…Doch all dies wurzelt fest in der DNA der Barockmusik: Rhetorik, Theatralik, Ausdruckskraft, Bewegung. Das sind die Grundwerte, die ich in der Alten Musik sehr stark empfinde. Mich reizt es, dieses Erbe aus drei Jahrhunderten Kunstmusik mit dem zeitgenössischen Kulturraum zu verbinden. Ich schöpfe aus einem reichen Nährboden, um etwas zu schaffen, das in unserer heutigen Zeit verankert ist.
Wenn man Ihre Website durchstöbert, sieht man, wie vielfältig Ihre Aktivitäten sind: Produktionen, Vermittlung, Verbreitungstools… eine Form der vertikalen Integration, die recht selten ist.
F.-E. C.: Zunächst möchte ich zwei Punkte betonen. Der Kern unserer Arbeit bleibt die Produktion und Verbreitung von Musik, also der darstellenden Kunst. Dennoch lege ich seit langem ein besonderes Augenmerk auf Aufnahmen, Videos und Kurzformate. Zweitens sind wir zwar Interpreten, aber auch Vermittler. Unsere Rolle ist es, ein historisches Erbe für das heutige Publikum zugänglich zu machen – sei es für Musikliebhaber oder völlige Neulinge. Gerade das junge Publikum hat einen klaren Anspruch: Bloß keine Langeweile! Es will mitgerissen werden, Emotionen spüren, auch ohne die theoretischen Schlüssel zum Werk zu besitzen. Mit ihrer organischen, spontanen und sprudelnden Energie zieht die Barockmusik jeden unmittelbar in ihren Bann, der zum ersten Mal ein Konzert von Le Concert de l’Hostel Dieu besucht.
Leidenschaftlich an alter Musik interessiert und möchten Sie diesen nur für Abonnenten zugänglichen Artikel lesen?
Wenn Sie noch kein Abonnent sind, treten Sie der internationalen Total Baroque-Community bei. Abonnieren Sie hier ab 5,00€.
AbonnierenWenn Sie bereits Abonnent sind, melden Sie sich an.
Ich melde mich an



Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare abgeben zu können.
Anmelden