Ensemble Caprice & Matthias Maute 

„Die vier Nationen“: Vivaldi neu zusammengesetzt

→Mit „Die vier Nationen“ haben Matthias Maute und das Ensemble Caprice Vivaldi ein kreatives Denkmal gesetzt – ein Projekt aus Komposition und Rekonstruktion, das Wissen, Fantasie und barocke Energie verbindet. 

„Die vier Nationen“: Vivaldi neu zusammengesetzt
© DR

Und was wäre, wenn man Vivaldi über die Fantasie neu entdeckte? Mit Die vier Nationen bringen Matthias Maute und sein Ensemble Caprice drei verschollene Konzerte des „Prete rosso“ zurückans Licht: La Francia, L’Inghilterra und La Spagna, zusammen mit dem einzigen überlieferten, Il Gran Mogol. Auf der Grundlage von Quellen des 18. Jahrhunderts und seiner tiefen Vertrautheit mit dem Vivaldi-Stil hat Maute eine Rekonstruktion geschaffen, die ebenso fundiert wie inspiriert ist. Zwischen Einfallsreichtum, Virtuosität und Bühnenpräsenz wird diese musikalische Reise des Ensembles aus Montreal zu einem Trip quer durch das barocke Europa.

Drei von Vivaldis sogenannten nationalen Konzerten waren verschollen – und Sie haben sie rekonstruiert. Was hat Sie motiviert, sich auf diese Herausforderung einzulassen? Und wie nähert man sich der Rekonstruktion verlorener Werke, ohne den Geist des prete rosso zu verwässern?

Matthias Maute: Dass drei dieser nationalen Konzerte verschwunden sind, ist für Blockflötisten ein Jammer – gerade, weil das Repertoire des 18. Jahrhunderts sowieso schon so wenige wirklich strahlende Stücke für uns bereithält. Der Drang, sie wieder erstehen zu lassen, war einfach nicht zu unterdrücken! Und die Pandemie hat dann damals tatsächlich die Tür zu ungewöhnlich kühnen Projekten geöffnet – wie diesem hier. Es war auch nicht mein erster Ausflug ins Reich der Rekonstruktionen: 2013 hatte ich schon die verschollenen Arien der Oper Motezuma wiederbelebt. Dabei konnte ich mich tief in Vivaldis Stil hineinversetzen, bevor ich direkt in seine Konzertwelt eingetaucht bin.

Seine anderen Blockflötenwerke kenne ich in- und auswendig – und auf dieser Vertrautheit konnte ich aufbauen, um quasi die Sprache des prete rosso zu sprechen. Für mich bedeutete Vivaldi in diesem Projekt weniger eine konkrete Person, als vielmehr einen Stil, eine Haltung. Jede Note, die ich rekonstruiere, ist ein Gespräch mit seinem Genie – mein Weg, seinem musikalischen Erbe Respekt zu erweisen. Am Ende ging es also nicht nur ums Wiederaufbauen, sondern darum, den vivaldischen Geist zu feiern. 

Angel

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