In den französischen Alpen nicht weit von der italienischen Grenze entfernt, bietet das Festival Valloire Baroque seit seiner Gründung 2010 ein Programm, das sich jedes Jahr um ein anderes Thema dreht. Nach der barocken Pastorale in der vorherigen Ausgabe wird die Ausgabe 2025 die „heilige Welt“ behandeln — eine Gelegenheit, das natürliche und kulturelle Erbe von Valloire zu würdigen und gleichzeitig das ökologische Engagement des Festivals zu unterstreichen. Begegnung mit Gaël de Kerret, dem künstlerischen Leiter des Festivals.
Das Thema dieses Jahres wird also „die heilige Welt“ sein. Was verstehen Sie darunter und warum dieses Thema?
Gäel de Kerret: Seit seiner Gründung im Jahr 2010 ist das Festivals Valloire Baroque durch sein jeweiliges Thema geprägt. Das kann ein Komponist sein, wie Monteverdi, oder ein Ort, Versailles, aber auch eine Besonderheit der Musiker, sagen wir die Countertenöre. Die vorherige Ausgabe war der barocken Pastorale gewidmet. In diesem Jahr werden wir uns jedoch mit der Kehrseite der Welt beschäftigen, nämlich der heiligen Welt, dem heiligen Universum. Ich denke an die beiden wunderschönen Globen, die in der Französischen Nationalbibliothek aufbewahrt werden und die Ludwig XIV. in Auftrag gegeben hatte: der erste, der Erdglobus, also die Natur, und der zweite, der Himmelsglobus, der letztlich ein wenig die heilige Welt darstellt. Denn aus unserer Sicht beschränkt sich diese heilige Welt nicht auf die Religion — im Gegenteil: Sie ist die Welt des Unbekannten! Das ist übrigens das, was Wissenschaftler heute fordern, nachdem sie festgestellt haben, dass viele der im Universum wirkenden physikalischen Gesetze widersprüchlich sind — wie etwa die der universellen Gravitation und der Quantenphysik. Und doch halten sie zusammen. Warum? Hier sprechen die Physiker vom Heiligen. Es ist das Bewusstsein einer anderen Seite der Welt, eines Mysteriums, das nie vollständig verstanden werden kann. Die heilige Welt ist also nicht die religiöse Welt, sondern die Welt des Unbekannten, das wir auf den Himmel, auf Gott projiziert haben. Es ist das, was unserem Leben Sinn gibt. Jeder Komponist hat seine eigene Vorstellung vom Heiligen, und ebenso wird jeder Künstler mit seiner eigenen Art, das Heilige zu denken, anreisen.

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